Das Freiburger Textbüro
Lektorate - Korrekturen - Textarbeit
Mathias Ahuis M.A.Landsknechtstr. 7
79102 Freiburg
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Archiv
hier finden Sie alle älteren Werkstattberichte
05.01.12 Ein frohes Neues Jahr
12.12.11 Liebe Kundinnen und Kunden
28.11.11 Neue Stellungen
04.11.11 Frisch gestrichen II
18.10.11 Sehr geehrte Damen und Herren
27.09.11 Frisch gestrichen I
25.08.11 Unwort dieses Jahres...
21.07.11 … wie gewohnt
14.06.11 Bilanz
16.05.11 Selbstverständlich selbstständig
11.04.11 Das unterschätzte Komma III
14.03.11 Das unterschätzte Komma II
03.02.11 Inzwischen e-los: Die Spontanität
17.12.10 Liebe Kundinnen und Kunden
18.11.10 Das unterschätzte Komma
25.10.10 Allerdings
17.09.10 Weitgehend chaotisch
05.08.10 Teller leer, Bauch voll
04.07.10 Noch nicht der Untergang des Abendlandes ...
31.05.10 So wie wir und uns – vergangen
08.04.10 Lass den Apostroph ...
27.02.10 Am Anfang waren die Babys
04.01.10 Tautologien – die IV.
27.11.09 Es begab sich aber zu der Zeit …
18.09.09 Ich und Du, Müllers Kuh
07.07.09 Tautologien – die III.
24.05.09 Der rechthaberische Lektor
15.04.09 Tautologien – die II.
09.03.09 Tautologien – die I.
31.01.09 Muttersprache Denglisch III
05.12.08 Von bis bis ab bis zu von bis
31.10.08 Begegnungen
10.10.08 Von Haken und Strichen
09.09.08 Entlang des Flusses – entlang dem Fluss
17.07.08 Aloe vera
17.06.08 Schloßplatz oder Schlossplatz?
19.05.08 Die Aufregung ...
03.04.08 So lange / solange
13.02.08 Lob des Kunden
21.12.07 Weiße Weihnacht
05.11.07 Reflektionen über nicht existente Wörter
20.09.07 Im Fokus
23.08.07 Die Gewinn und Verlustrechnung
10.07.07 Muttersprache: Denglisch II
11.06.07 Muttersprache: Denglisch I
02.05.07 Aus deutschen Wörterbüchern
05.04.07 Widerspiegeln und wiedergeben
05.03.07 Über mir, unter mir und neben mir
09.02.07 Schrägstrich mit Leerzeichen?!
17.01.07 14 Tage und acht Nächte
20.12.06 Und nun sollst du wissen, ...
22.11.06 Duden – letzter Stand
23.10.06 Online
27.09.06 Meine Expertise
28.08.06 Unternehmen - gebeugt oder aufrecht?!
21.07.06 Der neue DUDEN
05.07.06 Die Gänsefüßchen
13.06.06 Der Schmerz ist vorbei
21.04.06 Heute berichtet Christian Morgenstern: Der Werwolf
13.03.06 Und und sowie
07.02.06 1 bis 12 – oder doch eins bis zwölf?!
17.01.06 Hoch konzentriert!
22.12.05 Spitzbuben
29.11.05 z.B. – mit Leerzeichen?!
07.11.05 Eine runde Sache
12.10.05 Ein besonderes Unwort
20.09.05 Die Wegfahrsperre
29.08.05 Umweltschonend – aber Energie sparend?!
27.07.05 Die Selbstzahlerkasse
19.07.05 aufwändig oder aufwendig?
05.01.12 Ein frohes Neues Jahr
wünsche ich allerseits. Oder doch ein frohes neues Jahr? Alljährlich treten meine Kundinnen und Kunden mit dieser Frage an mich heran, wenn sie ihre Weihnachts- und Neujahrspost erledigen: Neues Jahr oder neues Jahr? Und dann hebe ich an und hole aus – etwa folgendermaßen: Ja, der Duden sagt bzw. schreibt das neue Jahr, soweit wären alle Klarheiten beseitigt. Manchmal aber tendiere ich dazu, den Duden Duden sein zu lassen und wie die meisten, zumindest im Zusammenhang mit standardisierten Glückwünschen, Neues Jahr zu schreiben und zu empfehlen – denn es sieht einfach besser aus. Und das Neue Jahr ist einfach etwas anderes als ein neues Auto, eine neue Freundin oder ein neuer Bundespräsident. Meine ich.
12.12.11 Liebe Kundinnen und Kunden,
wenn man nie die Möglichkeit hatte, richtig Lesen und Schreiben zu lernen – wer soll denn dann die Weihnachtspost erledigen?! Wie soll man seinen Wunschzettel schreiben, und noch wichtiger: den der Kinder lesen können?
Das kann nicht richtig sein. Deshalb unterstützt das Freiburger Textbüro auch in diesem Jahr wieder die Arbeit von Südwind Freiburg e. V. Der Verein für soziale und interkulturelle Arbeit bietet u. a. Migrantinnen und Migranten Integrationskurse mit Alphabetisierung an.
Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit und Frohe Weihnachten und freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen im Neuen Jahr!
Ihr Mathias Ahuis
Das Freiburger Textbüro
28.11.11 Neue Stellungen
Keine Sorge, es ist nicht das Kamasutra, das heute auf die Werkbank kommt; ich eröffne auch keine neue Jobbörse. Es geht wie immer branchennah um Sprachliches: Warum gibt sich heute keiner mehr mit Fragen und Problemen ab? Warum muss, entgegen dem der Faulheit geschuldeten Trend zur Verkürzung, aus jedem Problem eine Problemstellung werden, aus jeder Frage eine Fragestellung?! Eine Unsitte, die längst zur Pandemie geraten ist. Neu in diesem Kanon, aber hochansteckend auf dem Vormarsch: die Zielstellung! Aber Obacht: Ziele setzt man sich – es kann also, wenn es denn sein muss, korrekt nur von Zielsetzungen die Rede sein. Klingt aber genauso bescheuert.
04.11.11 Frisch gestrichen II
Das mit dem Bindestrich wollen wir geschwind noch einmal aufgreifen. Ob einzelne Begriffsbestandteile mit einem Bindestrich angebunden werden müssen, merkt man oft bereits daran, ob sie sinnvoll alleine stehen können. Bei unserem Beispiel von neulich – St. Marienhaus, siehe hier – sieht man‘s gleich: Sankt alleine macht keinen Sinn, Marienhaus auch nicht; sinnvoll ist St. Marien einer- und Haus andrerseits – und weil St.Marienhaus nicht so gut geht, Sanktmarienhaus auch nicht, gilt ergo: St.-Marien-Haus.
Gut dass wir mal drüber geredet haben.
18.10.11 Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kundinnen und Kunden,
wie jeder weiß, bringt zu Halloween der Große Kürbis den Kindern die Geschenke. Sagt Linus.* Wenn sie brav sind.
Kunden des Freiburger Textbüros sind mehrheitlich keine Kinder mehr, dennoch soll es auch für sie eine Kleinigkeit geben: bis Halloween 10 % auf alle Aufträge.** Wenn Sie brav sind.
Und dieses Angebot ist deutlich zuverlässiger als der Große Kürbis und Sie müssen nicht einmal nachts auf dem Acker ausharren. Das ist doch was.
Mit herbstlichen Grüßen
Ihr Mathias Ahuis
* Wer es nicht weiß: hier.
** Das Kleingedruckte: … gilt nicht für bereits erstellte Angebote und rabattierte Sammel- sowie Großaufträge.
27.09.11 Frisch gestrichen I
Mit dem Bindestrich – ja, das ist doch im Grunde gar nicht so kompliziert. Wenn ich dann aber die großen Messinglettern am örtlichen Altersheim sehe, die den Namen des Hauses angeben (sollen), denke ich: Das kann doch nicht so schwer sein. Und die sind doch so teuer – warum kann man dann nicht wenigstens richtig schreiben? St. Marienhaus steht da. Also bitte: Das eine ist St. Marien, das andere ist das nach ihr benannte Haus, also kein Marienhaus mit der näheren Bezeichnung St., sondern St. Marien mit der Erweiterung Haus. Und wenn das zusammengefügt wird, braucht es die Striche: St.-Marien-Haus. Heißt ja auch nicht Friedrich Schillerstraße – oder?
Na bitte. Ist doch wirklich keine Hexerei.
25.08.11 Unwort dieses Jahres
Vor einigen Jahren habe ich mich an dieser Stelle über das Wörtchen wirsch respektive unwirsch ausgelassen (ganz unten im Archiv). Das Bemerkenswerte daran war, dass das eine ziemlich synonym mit dem anderen ist – und das, obgleich die Vorsilbe un- landläufig ein Wort in sein Gegenteil verkehrt. Ein weiteres, weitaus geläufigeres Wort aus derselben Kategorie sind die Kosten. Kosten muss man zahlen – Unkosten aber leider auch. Auch wenn’s nicht an der Selbstzahlerkasse ist … Die Unkosten bereichern den Sprachschatz also nicht; das haben sie mit dem Hold, dem Geheuer und dem Getüm sowie dessen großem Bruder, dem Gestüm, gemein, die jedoch ohne ihr un- alle irgendwie unvollkommen wirken.
21.07.11 … wie gewohnt
Wer heute noch seine Zeitgenossen mit einem neunmalklugen als korrigiert, wenn mal wieder jemand das laut DUDEN umgangssprachlich weitverbreitete wie als Vergleichspartikel verwendet, macht sich schnell zum gemiedenen Außenseiter. Dennoch muss der Lektor noch einmal darauf hinweisen: Die Vertauschung kann auch ziemlich schiefgehen. Eine benachbarte Schule bat letztlich die Anwohner unserer Straße schriftlich mit folgendem Hinweis um Nachsicht für eine anstehende Abiturfeier: … wenn es also etwas lauter werden sollte, wie Sie es gewohnt sind, bitten wir …
Das ist die Stunde des Pingels: Meinten die Abiturienten (!) also so laut wie immer oder meinten sie lauter als sonst?!
Also bitte – bleiben Sie sprachgenau und seien Sie nachsichtig mit dem Deutschlehrer.
14.06.11 Bilanz
Seit sechs Jahren schreibe ich die Werkstattberichte für meine Website, ein knappes Dutzend pro Jahr – Zeit, einmal Bilanz zu ziehen:
Um das aufwändig ging es im ersten Bericht – es ist Gott sei Dank fast ganz verschwunden, es blieb eine Stilblüte der Rechtschreibreformgeschichte. Die Selbstzahlerkasse? Nun – ich muss immer noch selber bezahlen, keine Besserung also. Die Expertise in der Bedeutung von Expertentum hat es noch immer nicht in den DUDEN geschafft; wird vielleicht noch. Aber energiesparend hat sich nun doch durchgesetzt.
Die Gewinn- und Verlustrechnung? Ich hab’s aufgegeben, DUDEN hin oder her. Aloe vera wird immer noch durchgehend falsch geschrieben – aber auf Katthult ist tatsächlich nicht eine einzige Wurstpelle übrig geblieben.
16.05.11 Selbstverständlich selbstständig
Und natürlich auch mit st. Beide. Das gehört zu unserer alten Rubrik Glücksgriffe der Rechtschreibreform. Immer wieder sieht man diese verkürzte Version selbverständlich – weiß der Himmel, wieso. Gut, früher hat man sich beim selbständig ein st gespart, da war ja alles noch ein wenig knapper. Das fing schon beim Taschengeld an. Aber selbstverständlich wurde schon immer komplett geschrieben. Und selbstständig inzwischen glücklicherweise auch. Ich habe nie einen Grund finden können, selbständig zu schreiben. Gibt es irgendeine sinnvolle Verknüpfung mit selb? Im Duden finden sich da lediglich die taufrischen Begriffe selbander, selbdritt – und Selby, Hubert. Das ist ein Autor, den kann man lesen. Muss man aber nicht.
11.04.11 Das unterschätzte Komma III
Ganz bedauernswert ist ja auch das Dasein des Kommas am Ende eines Relativsatzes oder des attributiven Nebensatzes– wie man es auch nennen will; die Schulen bezeichnen diese Dinge ja alle 15 Jahre komplett neu, mit dem alleinigen Zweck, dass Eltern ihren Kindern nicht bei den Hausaufgaben helfen können. Aber zurück zum Nebensatz: Der braucht auch hinten ein Komma – und bekommt es doch viel zu selten. Kennen wir nicht alle diese Dinge, die wir viel zu selten bekommen?! Genau.
Der Zug kam zu spät, wie er das häufiger tat, und platzte zudem aus allen Nähten. Der Hauptsatz ist verkürzt: Der Zug kam und platzte – und nicht: er kam, tat und platzte. Also – Kommas kosten doch nicht die Welt.
14.03.11 Das unterschätzte Komma II
So ein kleines Häkchen, verachtet, verlacht, gering geschätzt und oft nur häufchenweise wie eine Prise Salz ins Essen über den Text gestreut. Kann aber schief gehen. Beim Salz wie auch beim Komma („Salzen nach Belieben“, summt Melchersen in Ferien auf Saltkrokan beim Kochen vor sich hin – das Ergebnis ist verheerend). Eine Werbeanzeige der EADS vor einiger Zeit z. B. schloss einige parallel gesetzte Suggestivfragen mit der Antwort: Wir denken nicht. Wer immer da auch nicht gedacht hat, er hätte es tun sollen. Wenn die in den Eingangsfragen vorgestellten Optionen im Sinne der Werbung auch zu verneinen waren, so hätte man doch vielleicht besser geschrieben: Wir denken, nicht. Ohne das Komma aber – verheerend. Wie Melchersens versalzener Fisch.
03.02.11 Inzwischen e-los: Die Spontanität
Das war auch so ein Wort, das mir schon als Kind aufgestoßen ist: Was machte nur dieses e in Spontaneität? Alle möglichen substantivierten Adjektive gab es auf -ität, Real-ität, Funktional-ität, Univers-ität, Formal-ität – aber keines auf -eität. Und musste man das e mitsprechen? Also Spontanaität? Es war rätselhaft und erschien dem kindlichen Sprachanwender zutiefst unsinnig. Die Entwicklung spendete Trost: Hier liegt also mal wieder einer der dünn gesäten Glücksgriffe der Rechtschreibreform vor, denn dieses e ist verschwunden; zumindest wird sein Schwund großzügig angeboten. Auch wenn im Duden gleichberechtigt die Spontanität neben der Spontaneität liegt – bei mir nur noch ohne e.
17.12.10 Liebe Kundinnen und Kunden,
als Lektor hat man ja nicht immer das Gefühl, so richtig Bedeutungsvolles zu leisten. Hier ein Komma, dort eine gefälligere Satzstruktur, ein passenderer Ausdruck; auseinandersetzen zusammenschreiben? So what. Die Welt dreht sich in beiden Fällen weiter.
Aber wenn man – Kommas hin, neue Rechtschreibung her– gar nicht schreiben kann?! Das ist dann ja richtig doof. Und der Lektor fühlt sich ein bisschen wie ein Sternekoch, der zwischen Safranfädchen und Kalbsnierchen rumscharwenzelt, während die Leute nichts zum Beißen haben. Darum: Dieses Jahr keine Weihnachtspräsente, sondern eine Spende an Südwind Freiburg e.V., einen Verein für soziale und interkulturelle Arbeit, der sich unter anderem um die Alphabetisierung von Migrantinnen und Migranten kümmert.
Ich wünsche Ihnen frohe Feiertage und ein gesundes, gutes neues Jahr
Ihr Mathias Ahuis
18.11.10 Das unterschätzte Komma
Wie hilfreich Kommas sind, erfährt, wer sich durch englische Texte müht. So beispielsweise Jonathan Franzens Freedom, das ich derzeit im Original lese, weil die SZ vor der schlechten Übersetzung warnte. Ellenlange Sätze mit mehreren Relativkonstruktionen und Nebensätzen – ohne ein Komma. Aber eines vor fast jedem and, das kein Mensch braucht. Allerdings beschleicht mich das Gefühl, ich könnte eine Ausgabe aus der Marge erwischt haben, die aus Versehen unkorrigiert in Druck und Handel ging, wie gleichfalls durch die Presse ging. Vielleicht sind die fehlenden Kommas ja auch diesem Umstand geschuldet. Wie auch immer – ich habe Kommas immer in großen Mengen vorrätig und gebe sie gratis ab. Als Kundenservice.
25.10.10 Allerdings
Schade – niemand wollte den Mantafahrerwitz vom letzten Mal hören. Dann eben nicht. Vielleicht war er ja auch gar nicht so gut. Allerdings! Und da wären wir bei einem anderen interessanten Fall: Das Wörtchen allerdings hat zwei ziemlich entgegengesetzte Bedeutungen. Zum einen wirkt es einschränkend, relativierend im Sinne von andrerseits, und man muss aber auch bedenken, dass… Andrerseits wird es aber auch bekräftigend eingesetzt, mit dickem Ausrufezeichen und bestimmtem Tonfall: Allerdings! Das kann man wohl sagen! Absolut, ohne Einschränkung – also ohne ein weiches allerdings …
17.09.10 Weitgehend chaotisch
Es ist zum Ameisenmelken: weitgehend, weiter gehend – oder weitergehend? Das ist weitestgehend unübersichtlich. Entsprechend verhält es sich mit tiefgehend und -reichend. Das Problem liegt zunächst darin, dass Dudens sich für weitgehend, aber tief gehend entschieden haben. Erklären soll das, wer will. Für die gesteigerten Formen weitergehend oder tiefer gehend, respektive reichend gibt es keine Vorschläge – ich würde sie analog behandeln. Der DUDEN bietet da nur tieferlegen an, aber das macht ja heute auch kaum noch einer, man muss es also auch nicht mehr schreiben – wobei mir ein ganz reizender Manta-Witz einfällt …
Viel einfacher ist es übrigens mit nahe und näher treten, liegen, stehen etc.: Getrennt, wenn’s räumlich, zusammen, wenn's im übertragenen Sinn gemeint ist
05.08.10 Teller leer, Bauch voll
Nicht alles hat seine Logik im DUDEN, das hatten wir bereits festgestellt. Das ist einerseits bedauerlich, andererseits gibt es uns Lektoren immer wieder Argumentationsspielraum und wir werden nicht überflüssig. Manchmal wird der Unsinn aber auch augenfällig, wenn die Ungereimtheiten direkt beieinanderstehen: Hätte die DUDEN-Redaktion einmal gemeinsam zu Tisch gesessen, hätten alle brav den Teller leer gegessen und sich bei der Gelegenheit den Bauch vollgeschlagen – dann hätten sie sich vielleicht auch für leeressen neben vollschlagen entschieden. Aber leer essen und vollschlagen? Irgendwer hat da nicht richtig aufgegessen.
04.07.10 Noch nicht der Untergang des Abendlandes ...
Aber doch ein gefundenes Fressen für Bedenkenträger und Schwarzseher: Die Tochter einer Bekannten - Migrations-hintergrund übrigens - schrieb letztens einen Aufsatz über Laura. Dritte Klasse, Deutsch. Darin ging es um Lauras Katze oder Lauras Tante oder ähnlich, ich habe es vergessen – es geht hier nur um den Genitiv, der dort vollkommen und bemerkenswert korrekt ohne Apostroph stand. Bis die Lehrerin den Rotstift zückte und zu Laura’s Katze, Tante oder weiß der Himmel was korrigierte und Lauras als Fehler markierte. Die Lehrerin. In der Grundschule. Das arme Kind. Ich hoffe, es trägt kein Trauma davon. Was haben wir nur falsch gemacht – in unserer Lehrerausbildung?
31.05.10 So wie wir und uns – vergangen
Manche Fehler tauchen häufiger auf als andere. Das macht sie zwar quasi zu alten Freunden; dumm nur, wenn man sie auch als Lektor übersieht. Deshalb an alle Kolleginnen und Kollegen (aber die wissen das natürlich selber): Vorsicht bei den Tippies, die Word nicht erkennt und unterkringelt, die aber aufgrund benachbarter Tasten sehr oft vorkommen; das sind insbesondere und/uns, die/dir und wie/wir. Gerne gehen auch Partizipien durchs Netz, die wegen gleicher Silben auch unfertig schon fertig wirken. In der Zeit, wo allenthalben Jahresberichte geschrieben und lektoriert werden, begegnet man wieder sehr häufig dem vergangen Jahr. Deshalb sehe ich mir jedes vergangenen genau an, ob es nicht nur ein vergangen ist. Der Kunde dankt's.
08.04.10 Lass den Apostroph …
… doch einfach weg. Dann lass ich ihn auch weg. Ja doch, der Imperativ kann oft auch ein e erhalten, wie auch die 1. Person Singular. Muss er aber nicht – die e-lose Variante ist inzwischen standardsprachlich akzeptiert: Ich sing, sing du auch. Der Apostroph wird also weiter zurückgedrängt – nicht nur machen sich Sprachhüter, Schriftgelehrte und Sickianer immer wieder über Emma’s Blumenladen, sonntag’s geöffnete Bistro’s und Lexika's lustig, jetzt wird auch noch der Apostroph im Imperativ geschleift. Aber was hilft’s (!): Sieht man das weggekürzte e in sing noch blass durchschimmern, so ist ein Imperativ mit Lautumwandlung wie in wirf oder gib eindeutig nicht aus wirfe oder gibe entstanden; also? Eben.
27.02.10 Am Anfang waren die Babys
Und die Ponys. Dann kamen die Partys hinzu, später die Storys – und jetzt haben wir jede Menge Communitys. Gemeinsam ist ihnen allen, dass es sich um Lehnwörter aus dem Englischen handelt. Und wer früher in der Schule aufgepasst hat, der schreibt gerne englisch korrekt im Plural Communities und Stories; selbst im Klappentext von Büchern seriöser, dem schriftlich Korrekten doch besonders verhafteten Verlage ist oft von Stories zu lesen. Parties und Babies dagegen sieht man selten, Ponies nie – das sieht dann doch zu falsch aus.
Ist es auch. Denn Lehnwörter (auch weniger gebräuchliche als Pony) erhalten einen deutschen Plural. Aus dem gleichen Grund ist übrigens neben Pizzen auch Pizzas ok, dito Kommas neben Kommata und Lexikons neben Lexika – aber keine Lexikas!!
04.01.10 Tautologien – die IV.
Mal wieder etwas aus meiner Lieblingskiste, den Tautologien. Herr Schuster hat mich letztlich auf das Fußpedal aufmerksam gemacht – sehr schön: Pedal heißt so viel wie Fußschalter, beim Fußpedal hätten wir dann also den Fußfußschalter identifiziert. Hübsch auch die Langlaufloipe, also die Langlauflanglaufspur. Viel alltäglicher aber steht auf unserem Frühstückstisch häufig die Nussnugatcreme: Nugat heißt Nusscreme – in unserem Fall hätten wir dann also ein Glas voller Nussnusscremecreme.
Man kann’s auch übertreiben – mit der Doppeltbenennung wie auch mit der sprachlichen Pingeligkeit …
27.11.09 Es begab sich aber zu der Zeit …
Bald ist es wieder so weit – und wer zumindest einmal im Jahr die Kirche besucht, kennt diese Zeilen. Es geht da um Kaiser Augustus und die Volkszählung. Mir geht es aber um etwas anderes: um das begab. Ein nicht mehr ganz taufrischer, aber durchaus noch vertrauter Ausdruck: sich begeben, das heißt: sich ereignen. Daraus leitet sich das Wort Begebenheit ab: Ereignis, Geschehnis, Vorfall etc. Was man nicht tun sollte, was aber nichtsdestotrotz erstaunlich häufig geschieht, ist, es mit Gegebenheiten zu verwechseln. Das sind nämlich die (meistens gemeinten) Voraussetzungen, örtlichen Zu- und näheren Umstände, Bedingungen, die vorliegenden Verhältnisse, Fakten und dergleichen mehr. Ein kleiner Buchstabe nur – aber doch …
18.09.09 Ich und Du, Müllers Kuh
Oder „Ich und du …?!“ Früher schrieb man das Du und Konsorten groß, dann klein; und heute darf beides: Zumindest in Briefen ist das Du noch gelitten. Ich bevorzuge die Großschreibung – aus ganz einfachem Grunde: Dass man das Sie der Höflichkeitsform großschreibt, ist nicht nur der Unterscheidbarkeit zum gewöhnlichen sie der 3. Person Plural oder gar der 3. Person Singular feminin geschuldet, sondern auch ein Ausdruck des Respekts, wie häufig Großschreibung Respekt, ja Ehrfurcht ausdrückt. Das zeigt sich besonders schön in einem alten, im Barock beheimateten Brauch, GOtt als der Respektperson schlechthin sogar zwei Versalien zu gewähren – zumindest eine sollte auch für das Du drin sein. Und das Ihr. Warum eigentlich nicht fürs Ich?!
07.07.09 Tautologien – die III.
Tautologien finden sich viel öfter, als man gemeinhin meinen sollte. Viele sind auch in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen und man macht sich keine Freunde, wenn man spitzfindig daraufrumreitet. Mache ich hier aber trotzdem – der Vollständigkeit halber. Aber nur ganz kurz.
Da ist. z. B. die Grundvoraussetzung. Eine Voraussetzung ist eine Voraussetzung – sie durch das Grund- zu steigern, ist redundant. Aus diesem Grunde führt der DUDEN sie auch nicht im Programm. Gerne nickt auch jemand mit dem Kopf – Unsinn: Nicken tut man per definitionem nur mit dem Kopf, es sei denn, man nickt ein. Er nickte sagt also alles aus, mit dem Kopf kann man sich schenken. Sollte man ohnehin viel öfter tun, sich was schenken.
24.05.09 Der rechthaberische Lektor
Wir arbeiten immer nach den DUDEN-Empfehlungen. Fast immer. Denn die Redaktion dort empfiehlt meist die bessere von zwei möglichen Schreibweisen. Aber in einem Fall hat sie nicht Recht – nämlich in genau diesem: Warum soll recht haben kleingeschrieben werden? Mir fällt kein Grund dafür ein – nicht einer. Schon das haben deutet einen eindeutig substantivischen Charakter an. Denn außer dem regionalen Ich hab kalt kenne ich keinen adjektivischen Gebrauch mit haben. Also Recht haben. Glück haben, Schwein haben, Geld haben, Freunde haben, Recht haben – warum nicht? Im Recht sein, mit Recht, Recht fordern, zu Recht bestehen – alles so im DUDEN. Warum dann aber recht haben, dito recht behalten oder recht bekommen. Ist mir schleierhaft – und hiermit abgelehnt.
15.04.09 Tautologien – die II.
Gefunden? Die gesuchte Tautologie in meinem Bericht vom 21. Januar war online über das Internet. Ein hübsches Exemplar, ähnlich wie der E-Mail-Newsletter, der mir immer wieder begegnet. Newsletter werden generell per E-Mail versandt und online heißt nichts anderes als über das Internet. Nett auch die SMS-Kurzmitteilung – also: streichen, tilgen, rausschmeißen. Less is more – nicht immer und auch erst recht nicht immer öfter, sondern oft eher weniger - aber in diesem Fall ist weniger mehr. Ganz gerne wird auch gehäuft, wie etwa z. B. … u. a. Gesehen? Hier haben wir vier Ausdrücke gleicher Bedeutung, drei können also weg: Das wie, das etwa, das z. B. und auch das u. a. – alle drücken aus, dass ein paar für alle anderen genannt werden. Rotstift zu mir.
09.03.09 Tautologien – die I.
Eines meiner Lieblingsthemen. Pleonasmus – auch ein schönes Wort, ist aber das Gleiche: das Beieinander zweier sinnähnlicher Ausdrücke. Der schwarze Rappe wird da im DUDEN immer gerne angeführt. Meine Lieblingstautologie aber ist, und die begegnet mir in meiner Arbeit fast täglich: Die Möglichkeit, etwas tun zu können. Ähnlich verhält es sich mit dem Wunsch, zu wollen und der Erlaubnis, zu dürfen und dergleichen. Wem es noch nicht aufgefallen ist: Die Möglichkeit enthält das Können bereits, der Wunsch das Wollen und die Erlaubnis das Dürfen. Bis zum nächsten Mal: Eine hübsche Tautologie findet sich auch in meinem letzten Werkstattbericht. Wer sie findet: Chapeau!
Wird fortgesetzt.
31.01.09 Muttersprache Denglisch III
Sprache muss sich entwickeln, und wenn der Steinbruch der eigenen Sprache abgebaut ist, muss man sich seine Bröckchen woanders raushauen. Das führt dann zu Wortgebilden wie Webinar. Ein Webinar ist ein Seminar, das online über das Internet abgehalten wird. Klar, dass man so ein Wort dringend braucht. Aber wie sieht es mit dem Plural aus?, fragte mich gestern eine Kundin. Gute Frage. Web ist englisch, und da es auch das Patenwort Seminar im Englischen gibt, wäre der Plural Webinars sinnvoll. Andererseits sprechen wir das Web längst auch mit deutschem W aus und das Wort ist sprachlich adoptiert. Dann können wir ihm auch den deutschen Plural geben – also Webinare. Klingt zwar doof, aber ich bin ja auch mehr dem geschriebenen als dem gesprochenen Wort verpflichtet.
05.12.08 Von bis bis ab bis zu von bis
Die haben es in sich, diese Präpositionen. Kinder bis 3 Jahre? Kinder bis zu 3 Jahren? Kinder von bis zu 3 Jahren? Oder ab 4 Jahre? Ab 4 Jahren? Doch erst ab 18?
Kurz: Alles ist richtig. Warum:
- Kinder bis 3 Jahre: bis immer mit Akkusativ.
- Kinder bis zu 3 Jahren: das zu bestimmt den Kasus, also Dativ.
- Kinder von bis zu 3 Jahren: das von bestimmt den Kasus, also Dativ (Probe: Der Satz funktioniert auch ohne bis zu).
- Kinder ab 4 Jahre/Jahren: geht beides – ab funktioniert (zumindest bei Zeitangaben) mit Akkusativ und Dativ.
Aber bitte: zwischen mit und, von mit bis und von bis zu nicht ohne von … Das wird nämlich gerne übersehen.
Noch Fragen?
31.10.08 Begegnungen
Das Leben ist voller Begegnungen. So begegnet zum Beispiel das Freiburger Textbüro dem Herbst. Und zwar nicht einfach nur so, sondern mit einem geradezu frühlingshaft anmutenden Angebot zum Kennenlernen, zum Wiederkennenlernen und zur Anregung des In-Kontakt-Bleibens:
Im November erhalten Sie auf alle Aufträge 10 % Herbstrabatt. Damit Sie sich freuen, denn Freude ist für jeden schön.
Das ist übrigens von Janosch, aus „Post für den Tiger“: Der kleine Bär (oder war’s der Tiger?) angelt zwei Fische, einen zur Speisung und einen, um ihm das Leben zu schenken. Damit er sich freut. Denn Freude ist für jeden schön. Wunderbar – oder?
10.10.08 Von Haken und Strichen
Apostroph, einfache Anführungszeichen, Gedanken- oder Bindestrich – damit nimmt man es im Alltag meist nicht so genau. Muss man ja auch gar nicht. In aufwendigen Dokumenten sollten diese Dinge jedoch auch typografisch korrekt sein. Ein Apostroph („oben 9“) ist eben nicht das Gleiche wie ein einfaches Anführungszeichen oben („oben 6“). Und der Bindestrich ist deutlich kürzer als der Gedankenstrich. Hier ein paar Shortcuts für diese Zeichen, wie sie in Word und einigen anderen Programmen funktionieren: Der lange Gedankenstrich (Halbgeviertstrich) wird über Strg + - generiert, oder auch mit Alt + 0150. Der Apostroph findet sich bekanntermaßen auf der Tastatur – das umgedrehte einfache Anführungszeichen oben erhält man über Alt + 0145.
Wieder was gelernt.
09.09.08 Entlang des Flusses –
entlang dem Fluss
Das ist wieder so einer von diesen Fällen: Genitiv oder Dativ? Der Zweifel ist durchaus berechtigt: Im DUDEN 9 (der „Grüne“) 5. Auflage heißt es „gewöhnlich Dativ, nur selten noch Genitiv“. (Interessant ist hier besonders das noch! Früher war also mal der Genitiv die erste Wahl.) In der 6. Auflage steht plötzlich: „Genitiv, seltener Dativ“. So schnell kann das gehen. Die Sprache lebt.
Dass insbesondere bei der Frage ob Dativ oder Genitiv oft Unklarheit herrscht, liegt an der Gleichlautung im Fall der Feminina: Wenn ich in Freiburg entlang der Dreisam jogge, ist das immer richtig, da Dativ und Genitiv gleich sind. Und gesund ist es zudem. Und auch sehr schön. Strengt aber an.
17.07.08 Aloe vera
Ein nicht eben alltäglicher Begriff – und doch einer, der mir häufig wie kaum ein zweiter in meinem Lektorenalltag falsch geschrieben unterkommt, zu annähernd 100 Prozent. Erst einmal in über zehn Jahren Freiburger Textbüro habe ich ihn nicht korrigieren müssen. Als wichtiger Bestandteil zahlloser Wellnessartikel offensichtlich sehr werbewirksam schreiben die Agenturen fast durchgehend Aloe Vera. Und unermüdlich korrigiere ich Aloe vera. Dass die Pflanze Aloé gesprochen wird, nicht Aluh oder gar Alö, wie man immer wieder hört – nun gut, das ist dem dem Schriftlichen verpflichteten Lektor relativ schnuppe. Aber geschrieben gehört er Aloe vera, so steht es im Duden. Also bitte. Kann doch nicht so schwer sein. Danke.
17.06.08 Schloßplatz oder Schlossplatz?
Wie heißt er nun, der Schloßplatz/Schlossplatz respektive die Schloss- straße/Schloßstraße und ähnliche von der Rechtschreibreform betroffene Örtlichkeiten? Die Schreibung von Namen unterliegt keinen orthografischen Regeln – wer Haussmann im Pass stehen hat, wird nicht zum Haußmann. Straßen allerdings haben keinen Pass – sind aber auch vor der Rechtschreibreform in der Regel nicht einheitlich geschrieben worden. So findet man in Telefonbüchern, auf städtischen Websites, in allerlei Verwaltungsgedöns und kommunalen Liegenschaftsunter lagen nicht nur Schloßstraße neben Schlosstraße, sondern meist auch an der Straße selbst – womöglich sogar eine Schlosstrasse. Mit anderen Worten: Es gibt keine dokumentierte richtige Schreibweise.
19.05.08 Die Aufregung ...
um die Rechtschreibreform beginnt sich zu legen. Die Empfehlungen im letzten DUDEN (siehe auch im Archiv, 21.07.06) setzen sich langsam durch, viele Unsäglichkeiten verschwinden sang- und klanglos wieder im Orkus – eben als man sich dran gewöhnen wollte. Und – hat es was gebracht?!
Schaut man sich in den Büchern um, mehr noch in den Tageszeitungen, die ja nur ganz flott mal hopplahoppp von Studenten lektoriert werden, so stellt man fest: Die Schifffahrt, das dass, Tunfisch und Delfin, noch das eine oder andere, was wir von den Fotos zu zahllosen Artikeln zur Rechtschreibreform her kennen (meist in I-Männchen-Schrift auf die schwarze Tafel gemalt), das haben alle drauf – und sonst? Sonst schreibt jeder, wie er will. Wozu man jeden im Grunde nur beglückwünschen kann.
03.04.08 So lange / solange
Nicht alle Artikel im Duden sind wirklich erhellend. Zu den weniger geglückten zählt sicher der Eintrag zu so lange / solange. Er hängt neben meinem Bildschirm an der Wand, und ich muss immer wieder drauf sehen, ohne das Rätsel letztlich zu entschlüsseln. Ich bin fast sicher, dass es so geht: Wenn dem so lange / solange ein bis, dass oder wie folgt, wird es getrennt geschrieben: so lange; in allen anderen Fällen handelt es sich um eine Konjunktion im weiteren Sinne von während und wird zusammengeschrieben.
Eine ganz andere Frage ist, ob diese Unterscheidung sinnvoll ist – und wiederum eine andere, ob das irgendwie wichtig ist. Bei beiden bin ich mir ziemlich sicher, dass hier Nein gilt.
13.02.08 Lob des Kunden
Das freie Lektoren- wie überhaupt Kleinunternehmertum hat seinen Reiz. Nicht nur, aber ganz ohne Frage. Aber was macht der freie Lektor, wenn er krank ist? Respektive die freie Lektorin? Man und frau schlägt sich halt durch, hält sich über Wasser. Glücklich dann, wer – wie ich – Kunden hat, die das mitmachen, Verständnis haben, wenn man mal etwas kürzertritt. Und wenn das Kind krank ist, Zuwendung braucht, wenn der DUDEN mal nur die zweite Geige spielen darf? Auch dann hat der glückliche Lektor zum Beispiel Kunden, die sagen, dass morgen früh auch noch früh genug ist, und betonen: „Außerdem haben kranke Kinder immer Vorrang!“ Das sind Kunden, oder? Und die besten fügen noch hinzu: „Gesunde eigentlich auch ...“
Der Kunde ist König. Dieser besonders.
21.12.07 Weiße Weihnacht
Weihnachten kommt sowieso, auch ohne uns. Aber den Schnee dazu, den müssen wir uns auch in diesem Jahr wieder selber herbeisingen:
Outdoor Song for Snowy Weather
The more it snows (Tiddely pom),
The more it goes (Tiddely pom),
The more it goes (Tiddely pom)
On snowing.
And nobody knows (Tiddely pom),
How cold my toes (Tiddely pom),
How cold my toes (Tiddely pom)
Are growing.
Winni-the-Pooh
A.A. Milne
05.11.07 Reflektionen über nicht existente Wörter
Zu den Merkwürdigkeiten der deutschen wie vermutlich auch jeder anderen Sprache gehört, dass es Wörter gibt, die gibt es gar nicht. Nichtsdestotrotz bedient man sich ihrer gerne und häufig und trägt so vielleicht eines Tages nicht unwesentlich zu ihrer standardsprachlichen Existenz bei. Ein solches Wort ist die Reflektion – logisch gebildet aus dem Verb reflektieren und dennoch dem DUDEN und anderen Nachschlagewerken unbekannt. Zugegebenermaßen habe ich selber viele Male geblättert, ob es nicht doch in irgendeiner Ausgabe zu finden ist, aber selbst mein Wahrig führt keine Reflektionen. Es kann und muss und soll und darf nur Reflexionen heißen. Schade eigentlich – aber es ist nur eine Frage der Zeit …
20.09.07 Im Fokus
Als vor rund 15 Jahren der Focus gegen den Spiegel antrat, hätte ihm kaum einer ein langes Leben prophezeit. Es kam anders – der Häppchenjournalismus trat einen ungeahnten Siegeszug an und die Focus-typischen Kästchen, kleinen Grafiken, Infoboxen und Marginalien sind inzwischen fester Bestandteil jeder Publikation, sei es wissenschaftliches Werk, Tageszeitung, Magazin oder Werbebroschüre. Das kann man bedauern – wirklich bedenkenswert ist aber, dass der Focus inzwischen sogar die Bastion der allgemeinen Schreibkompetenz zu schleifen scheint: Immer öfter ist von einem Focus die Rede, wo ein Fokus als Zentrum der Aufmerksamkeit gemeint ist. Bitte – so weit sollte unsere Markenhörigkeit nicht gehen. Der Fokus wird auch nach der Rechtschreibreform immer noch mit k geschrieben!
23.08.07 Die Gewinn- und Verlustrechnung
Das ist eine ebenso beliebte wie unkorrekte Schreibweise - Letzteres zeigt übrigens schon ein Blick in den Standard-DUDEN. Und zudem auch noch unlogisch ist sie. Und wird nicht korrekter oder logischer dadurch, dass Einrichtungen, Institute und dergleichen jeglicher Art, die mit solchen Rechnungen zu tun haben, sie vorzugsweise so verwenden.
Gewinn- und Verlustrechnung – das sind zwei Rechnungen: eine Gewinnrechnung einer- und eine Verlustrechnung andererseits. Was gemeint ist, ist aber eine einzige Rechnung, die den Gewinn in ein Verhältnis zum Verlust setzt – nämlich die einzig mögliche und orthografisch wie auch (hoffentlich) bilanziell korrekte Gewinn-und-Verlust-Rechnung!
Das musste einfach mal gesagt werden.
10.07.07 Muttersprache: Denglisch II
Dass so mancher mit der großzügigen Verwendung des Englischen im Deutschen überfordert ist, erkennt man nicht zuletzt an konfusen Konjugationen: Da will man es besonders richtig machen, hat ja auch in der Schule gut aufgepasst und erinnert sich, dass das Verb im Past Tense ein -ed erhält: I managed, we loaded etc. Der Schluss, dass im deutschen Sprachgebrauch das Partizip demnach geskated, downgeloaded, upgedated etc. heißen muss, wird ziemlich oft gezogen – ist deshalb aber noch lange nicht korrekt. Die Endung für das Partizip Perfekt erhält im Deutschen auch bei Lehnwörtern ein -t: geskatet, downgeloadet, upgedatet – wodurch die Wörter nicht schöner werden, aber immerhin korrekt konjugiert sind.
11.06.07 Muttersprache: Denglisch I
Jeder jammert drüber – und jeder tut’s. Ob freiwillig oder nicht: denglisch sprechen, respektive schreiben. Und mancher ist überfordert. Man kann drüber lächeln, aber so lange der Rollschuh kein Schuh war, sondern nur ein paar Rollen zum Unterschnallen, da hieß er Rollschuh. Seit wirklich ein Schuh draus wurde, darf er nicht mehr so heißen, sondern muss Rollerblades, Rollerskates, Skateroller, Inlineskates oder wie auch immer genannt werden. Und Rollschuhlaufen?! Inlineskaten? Ich inlineskate, du inlineskatest – oder doch: ich skate inline?! Klingt dämlich – und Hand aufs Herz: Genau das ist es auch. Und noch etwas: Sprechen Sie einmal Art Director korrekt aus – gut; und jetzt pc und englisch: Art Directorin.
Klingt nicht toll – oder?!
02.05.07 Aus deutschen Wörterbüchern
Dies ist die (deutsche) Fachsprache der PR- und Geschäftswelt: After-Sales-Geschäft, Rating-Agentur, Collaborative Planning, Forecasting and Replenish- ment, Customer Relationship Management, Power Down Management, Over-the-Counter, Communications Value, Total und Absolute Return Fonds, Electronic Product Code …
Dies ist die (deutschere) Fachsprache des Handwerks: Keilscheibe, Gewindetrieb, Nadellager, Pendelrollenlager, Gleitringdichtung, Kegelrollenlager, Sicherungsring, Spannringlagereinheit, Zylinderrollenlager, Wellendichtring, Spindellager, Hüllkreismessgerät, Kugellagerausgleichscheibe, Textilmaschinenlager, Ringkolbenpresse, Wellenausrichtsystem, Handhebelschmierpresse …
Merken Sie was?!
05.04.07 Widerspiegeln und wiedergeben
Ein Wort, das jedes fünfte Mal falsch geschrieben wird: widerspiegeln. Je länger der Satz zwischen spiegelt und dem abschließenden wider, umso wahrscheinlicher, dass dort wieder steht. Zugegebenermaßen ist es mal wieder nicht ganz logisch: Das Wort wieder in wiedergeben meint im Grunde ebenso wie in widerspiegeln so viel wie zurück, gegen, also wider und nicht wieder im Sinne von noch einmal. Andrerseits ist bei beiden Worten auch das wieder sinnvoll: Der Spiegel erhält ein Bild und spiegelt es, erstellt also wieder ein Bild. Wenn aber wiedergeben das Gleiche ist wie zurückgeben, kann auch zurückspiegeln das Gleiche sein wie wiederspiegeln – heißt aber trotzdem gegenspiegeln, also widerspiegeln. Klar?!
05.03.07 Über mir, unter mir und neben mir
Präpositionen machen etwas mit. Insbesondere wenn sie kein tatsächliches räumliches Verhältnis mehr ausdrücken. Früher ging man z.B. auf den Markt, zum Einkaufen. Ich tue das heute noch regelmäßig. Dieser Markt war ein Ort des Handelns mit Dingen, vorzugsweise unter freiem Himmel. Meist auf dem Marktplatz. Später bewegte man sich dann auch generell mit Waren und Dienstleistungen auf dem Markt, womit das große Ganze des Handels gemeint war, also kein realer Platz mehr mit Ständen und Buden. Wieder später bewegte man sich dann an diesem Markt – die geänderte Präposition unterstrich den Unterschied. Neuerdings aber muss man nicht mehr nur am Markt sein, sondern gleichsam im Markt – womit zumindest das markttypische Draußen leider wegfällt. Schade eigentlich.
09.02.07 Schrägstrich mit Leerzeichen?!
Eine DUDEN-Regel oder eine DIN dazu gibt es nicht - zumindest ist mir keine bekannt.
Klaus Mackowiak, Koryphäe in Sachen Rechtschreibung, empfiehlt allerdings in seinem Buch "Die 101 häufigsten Fehler im Deutschen" das Vorgehen, wie auch ich es anwende: Werden eingliedrige Teile durch den Schrägstrich verbunden, wird der Schrägstrich kompress, also ohne Leerzeichen gesetzt, z.B.: das Doppel Kiefer/Schüttler, die CDU/CSU-Fraktion u.Ä. Bestehen aber die durch den Schrägstrich verbundenen Alternativen aus mehreren Gliedern, ist der Leerschritt sinnvoll: das Doppel Nicolas Kiefer / Rainer Schüttler. Sonst entstehen Doppelnamen wie Kiefer/Rainer o.Ä., was keinen Sinn ergibt.
17.01.07 14 Tage und acht Nächte
Nicht alles ist logisch in der deutschen Sprache – insbesondere in ihrem Gebrauch durch die Deutschen. Eines der merkwürdigsten, mir bisher nicht erklärbaren Phänomene ist sicherlich, dass der deutsche Sprachanwender für eine Woche hartnäckig auch die Wendung acht Tage benutzt – und dies ohne je auf den Unsinn hingewiesen zu werden. Zwei Wochen sind 14 Tage, so weit korrekt. Eine Woche – acht Tage, so weit so unsinnig. Gut, man findet im Netz zuweilen die Erklärung, dass der Ausgangstag und der Endtag des Zeitraumes gezählt werden – warum dann aber nicht 15 Tage für zwei Wochen?! – Mindestens!
Andererseits – ich liebe diese und ähnliche Unsinnigkeiten. Das garantiert mir, dass meinen Arbeitsplatz nicht irgendwann ein Computer übernimmt.
20.12.06 Und nun sollst du wissen, ...
was auf dem Küchentisch von Katthult stand an diesem ersten Weihnachtstag, als sie endlich alles aufgetragen hatten. Da standen:
eine Schüssel mit Blutklößen, eine Schüssel mit Schweinswürsten, eine Schüssel mit Sülze, eine Schüssel mit Leberpastete, eine Schüssel mit Knackwürsten, eine Schüssel mit Fleischklößen, eine Schüssel mit Kalbskoteletts, eine Schüssel mit gepökelten Schweinerippchen, eine Schüssel mit kalter Bratwurst, eine Schüssel mit frischer Leberwurst, eine Schüssel mit Heringssalat, eine Schüssel mit Rauchfleisch, eine Schüssel mit leicht gesalzener Ochsenzunge, eine Schüssel mit Rosinen-Grützwurst, eine Platte mit dem großen Weihnachtsschinken, eine Platte mit dem großen Weihnachtskäse; ein Korb mit Weißbrot, eine Schüssel mit Sirupbrot, ein Korb mit feinem Roggenbrot, eine Kanne Fruchtsaft, eine Schüssel mit Sülze, eine Schüssel mit Buchweizengrütze, eine Platte mit Käsekuchen, eine Schüssel mit Schlagsahne, eine Schale mit Backpflaumen, eine Platte mit Apfelkuchen, eine Schale mit Erdbeerkompott, eine Schale mit Ingwerbirnen und ein kleines, im Ganzen gebratenes Spanferkel mit weißem Zucker garniert.
Das war alles, glaube ich.
Astrid Lindgren, Michel
|22.11.06 Duden – letzter Stand
Immer wieder werde ich gefragt, warum ich denn plötzlich sogenannt und sodass zusammenschreibe. Daher möchte ich hier noch einmal auf den neuesten Duden vom Sommer dieses Jahres hinweisen. Irgendwann, hoffentlich bald, werden wir nicht mehr von der Neuen Rechtschreibung sprechen, sondern wieder eine einzige, allgemein nicht infrage gestellte haben. Zu diesem Zwecke lassen wir jetzt alle Parallelschreibweisen und nehmen die eine – und das ist am besten die vom Duden empfohlene: Die ist nämlich gar nicht so schlecht – von ein paar Ungereimtheiten abgesehen (insbesondere bei der Getrennt- und Zusammenschreibung werden wir mit mangelhafter Logik leben müssen) … aber über die werden wir dann bald auch nicht mehr weinen und diskutieren. Hoffentlich …
|23.10.06 Online
Das ist englisch. Oder war es zumindest, und wir haben es bisher immer von deutschen Begriffen getrennt: Online-Dienst, Online-Banking etc. Und das, obwohl es schon der letzte DUDEN von 2004 anders handhabte – nun sollten auch wir den Tatsachen ins Auge sehen: Online ist in der deutschen Sprache angekommen, so wie z.B. Internet schon lange. Daher beugen wir uns ab heute dem DUDEN und dem Sprachgebrauch und streichen den Strich. Dann heißt es nun also Onlinebanking, Onlinezeitung und was es dergleichen mehr gibt. Und auch wenn wir überwiegend online sind: Für Offline gilt natürlich das Gleiche: Obwohl mir da so schnell gar kein Beispiel einfällt – oder wird der persönliche Gang zur Sparkasse schon als Offlinebanking bezeichnet!?
27.09.06 Meine Expertise
Die Bedeutung eines Wortes, so wissen Germanistikstudenten aus dem ersten Semester, liegt in seinem Gebrauch in der Sprache. Das hat Ludwig Wittgenstein gesagt. Deshalb verändern sich Bedeutungen auch, wenn Wörter im Laufe der Zeit anders gebraucht werden. Dennoch wehren sich eben diese Germanisten immer wieder dagegen. Etwa das Wort Expertise. Das heißt Gutachten – und es heißt nicht Expertentum oder so. Wird aber zunehmend in diesem Sinne gebraucht. Wikipedia kennt diese neue Bedeutung bereits. DUDEN und Brockhaus noch nicht. Aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Und auch ich gebe mich ab heute geschlagen und korrigiere es nicht mehr … Im nächsten DUDEN wird es sicher auch stehen. O Tempora ...
28.08.06 Unternehmen – gebeugt oder aufrecht?!
Viele gehen sicher gebeugt daher – aber wie halten wir es denn z.B. mit der Deutschen Bank?! Oder mit der Deutsche Bank AG?! Oder mit der Deutschen Bank AG?! Alle Varianten sind korrekt – bis auf die letzte: Da sich das Adjektiv immer auf den letzten Teil der substantivischen Verknüpfung bezieht, geht das mit der Deutschen Bank ok – aber wenn die AG dazukommt, wird Deutsche nicht flektiert, da es sich ja auf die Bank, nicht auf die AG bezieht. Daher mag es auch verschiedene Grüner-Punkt-Unternehmen geben, aber kein Grünes-Punkt-Unternehmen.
Anschaulicher wird’s bei Rote-Bete-Saft: Manche lieben Rote-Bete-Saft, die meisten auch roten Rote-Bete-Saft – aber Hände weg vom Roten-Bete-Saft.
21.07.06 Der neue DUDEN
Eigentlich kommt er ja erst morgen, aber ich habe ihn heute schon: den neuen Duden! Und da die Neue Rechtschreibung ab dem 01.08.06 bundesweit amtlich wird, möchte auch ich nun zur Einheitlichkeit übergehen.
Der "Journalistenleitfaden" ist inzwischen sieben Jahre alt. Der entsprechende Download auf der Seite der dpa immerhin zwei Jahre - seither ist von dieser Seite keine Stellungnahme mehr erfolgt.
Die Duden-Redaktion hat nun in ihrem neuen Werk Empfehlungen ausgesprochen: Überall, wo mehrere Schreibweisen möglich sind, ist die von der Redaktion empfohlene markiert. Und da über Kompetenz und Befugnis dieses Teams ja weitgehend (und eben nicht "weit gehend") Konsens herrscht, werde ich in Zukunft diesen Empfehlungen folgen - Ihr Einverständnis voraussetzend.
05.07.06 Die Gänsefüßchen
Das sind ja so richtige Multitalente, diese Gänsefüßchen – und eben das ist auch ihr Problem. Man weiß oft nicht so genau, was sie ausdrücken sollen. Wenn sie ein Zitat einrahmen – gut, das erkennt man meist direkt. Ein Vortrag zum Thema „Anführungszeichen im Hier und Heute“ – meinetwegen, auch hier haben sie ihren Sinn, indem sie klar machen, wo der Titel des Vortrages beginnt und endet.
Aber zur Hervorhebung sind sie meist ungeeignet. Im Zweifelsfalle signalisieren sie ein „Es darf geschmunzelt werden!“, ein „Ist nicht so gemeint“ oder „Vorsicht! Uneigentliche Bedeutung!“ – und das ist meistens nicht gewollt.
Daher gilt bei Anführungszeichen: Less is more!
13.06.06 Der Schmerz ist vorbei
Das ist schön, wenn der Schmerz nachlässt: Auch dem st tut die Trennung nicht mehr weh. Das ist einer der Glücksgriffe der ansonsten an Glücksgriffen sicherlich nicht sehr reichen Rechtschreibreform: Man darf st endlich trennen – und man sollte es dann auch tun. Denn schon früher trennte man generell nach dem Klang der Silben und die Regel „Trenne nie st, denn es tut ihm weh!“ machte irgendwie keinen Sinn: Kein Mensch sprach Fen-ster, sondern immer Fens-ter. Schön dass wir das jetzt auch schriftlich so trennen dürfen.
Schade aber, dass das so herrlich unsinnige und merkwürdige k-k als die getrennte Variante des ck verschwunden ist – das vermisse ich ein bisschen.
21.04.06 Heute berichtet Christian Morgenstern:
Der Werwolf
Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: Bitte, beuge mich!
Der Dorfschulmeister stieg hinauf
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten:
"Der Werwolf" - sprach der gute Mann,
"des Weswolfs, Genitiv sodann,
dem Wemwolf, Dativ, wie man's nennt,
den Wenwolf - damit hat's ein End."
16.05.06 Christian Morgenstern fährt fort:
Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
er rollte seine Augenbälle.
Indessen, bat er, füge doch
zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!
Der Dorfschulmeister aber musste
gesteh’n, dass er von ihr nichts wusste,
zwar Wölfe gäb's in großer Schar,
doch "Wer" gäb's nur im Singular.
Der Wolf erhob sich tränenblind -
er hatte ja doch Weib und Kind!!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.
13.03.06 Und und sowie
Es ist löblich, sich beim Schreiben um Varianten zu bemühen – insbesondere bei dem Wörtchen und. Gerne wird dann auf das synonyme sowie zurückgegriffen. Das ist allerdings nicht immer geschickt, denn sowie wirkt als und oft etwas übertrieben. Sinn macht sowie, wenn eine Aufzählung bereits mit und abgeschlossen wurde und noch ein weiteres Element quasi nachgereicht wurde, z.B.: Onkel, Bruder, Großeltern und Enkel sowie weitere Verwandte … Auch angebracht ist es, wenn ein Teil einer Aufzählung ein internes und enthält, etwa: Angestellte und Mitarbeiter, Freunde und Förderer sowie einige Außenstehende … In Herr Müller sowie seine Frau … reicht dagegen das einfache und – auch wenn es sehr häufig auftritt.
07.02.06 1 bis 12 – oder doch eins bis zwölf?!
Vorneweg: Es gibt keine Regel dazu! Usus ist aber, Zahlen von eins bis zwölf auszuschreiben.
Es gibt jedoch sinnvolle und weniger sinnvolle Verfahren. In Texten, in denen es vordergründig um Zahlen geht, sollten vereinzelte unter 13 auch als Ziffern gesetzt werden – wohingegen in der Literatur gerne sogar zweihundertfünfundzwanzig ausgeschrieben wird, da Ziffern aus dem Schriftbild immer hervorstechen und dem Text etwas „Vermessenes“ geben. Andererseits wirken verschieden dargestellte Zahlen in unmittelbarer Nachbarschaft auch bemüht und krämerisch: Statt zwischen zehn und 20 Meter würde ich lieber 10 und 20 schreiben.
Aber wie gesagt: Eine Regel gibt es nicht.
17.01.06 Hoch konzentriert
Das muss man getrennt schreiben, so will es die neue Rechtschreibung, ebenso hoch motiviert, hoch entwickelt u. Ä., sofern hoch steigerbar ist. Nun ist man sich oft nicht sicher, ob nicht auch höher motiviert denkbar wäre – trotzdem wird es in der Praxis meist zusammengeschrieben, auch wenn die strenge, also die „rote“ DUDEN-Version dagegen ist. Und das ist auch völlig ok, denn meist wird das hoch in rein intensivierender Bedeutung gebraucht – und hier ist die Zusammenschreibung (vgl. den „grünen“ DUDEN, Band 9, unter "hoch") ausdrücklich erlaubt und sinnvoll.
Wie schön, dass sich auf der Flucht vor manchen Unsinnigkeiten der Rechtschreibreform doch immer wieder legitime Auswege finden lassen.
22.12.05 Spitzbuben
Zutaten: 500 g Mehl, 200 g Zucker, 200 g Butter, 1 Vanillezucker, 1 Backpulver, 4 Eier, Marmelade, Puderzucker
Zutaten mischen und zu einem glatten Teig kneten. Eine halbe Stunde im Kühlschrank stehen lassen. Ausrollen und Formen ausstechen: eine runde Form für den Boden und eine runde Form, aber mit Loch, schön mit Sternchen oder Ähnlichem, für die obere Seite. Bei ca. 150 Grad goldgelb backen.
Die Kekse ohne Loch mit Marmelade (je nach Geschmack) bestreichen. Die Kekse mit Loch darauf setzen und zum Schluss noch mit Puderzucker bestreuen.
Frohe Weihnachten, einen guten Rutsch und ein fantastisches Neues Jahr wünscht
Ihr Mathias Ahuis
29.11.05 z.B. – mit Leerzeichen?!
Wie halten wir es denn mit den Leerzeichen bei Abkürzungen? z.B., e.V., u.a., 10%. „100g?! Oder z. B., 10 % usw.?! Das eine sieht etwas gedrängelt aus, das andere wirkt, insbesondere bei nichtproportionalen Schriften, auseinander gezerrt. Eben aus diesem Grunde wird korrekter-weise ein kleinerer „Festabstand“ gesetzt, etwa halb so groß wie das nor-male Leerzeichen.
Das ist natürlich ziemlich aufwendig – in Word lässt sich das z.B. nur sehr mühsam bewerkstelligen, etwa indem man für das betreffende Leerzeichen eine kleinere Schriftgröße wählt. Das macht allerdings kaum jemand – und so bleibt der Tipp: Hauptsache einheitlich. In der Praxis wird z.B. meist ohne Leerzeichen geschrieben. Und da spricht im Grunde auch nichts gegen.
07.11.05 Eine runde Sache
Rund 1.000 Mitarbeiter erzielen in rund zehn Monaten rund eine Million Umsatz. Da läuft wohl das Geschäft ganz rund, stilistisch gibt es zu dem Kreisförmigen aber doch Alternativen.
Die Annäherung an einen Wert mit dem ungefähren rund wird sehr gerne benutzt – zu gerne, wie ich finde, denn das Wörtchen häuft sich gelegentlich doch sehr.
Hier ein paar Varianten:
Für die Annäherung von unten empfiehlt sich auch fast, knapp, nahe, nahezu, annähernd.
Für etwas mehr geht auch gut, üppig, mehr als, über.
Und für beides kann man außer rund auch mal etwa oder ca./circa/zirka sagen bzw. schreiben.
Nur so als Vorschlag.
12.10.05 Ein besonderes Unwort
Die Unwörter – das sind nicht nur die jährlich gewählten sprachlichen Entgleisungen, das sind vor allem Antonyme zu den entsprechenden Nicht-un-Wörtern. Das klingt komplizierter, als es ist: Unschön gleich hässlich, unfein gleich grob, unfreundlich gleich nichtfreundlich – und so weiter. Wobei die Un-Wörter in diesem Sinne meist auch Euphemismen für das eigentlich Gemeinte darstellen, will sagen: unschön klingt netter als hässlich.
Aus der Art fällt hier das besondere Wort wirsch: Bemerkenswerterweise heißt wirsch ziemlich das Gleiche wie unwirsch.
Man sieht – die deutsche Sprache ist ein verzwicktes Ding.
20.09.05 Die Wegfahrsperre
Heute mal wieder etwas aus dem Fabelreich der Tautologien:
Die Wegfahrsperre.
Wörter sind Kleinodien.
Die einen mehr, die anderen weniger.
Ein besonderes Kleinod ist das Wort „Wegfahrsperre“, das mir in meinem Lektorenalltag gelegentlich über den Weg läuft.
Das Schöne an dem Wort ist das „Weg-„ – und das Überflüssige. Denn das Wesentliche des Fahrens ist ja, dass es generell ein „weg“ beinhaltet. Wohin also sollte man fahren, wenn nicht weg!? Ist eine „Hierbleibsperre“ denkbar?! Schon – man spricht dann gerne auch von „Schwedischen Gardinen“ …
Also – „Fahrsperre“ tut’s auch.
29.08.05 Umweltschonend – aber Energie sparend?!
Zusammen oder getrennt?! Der DUDEN sagt, dass zusammengeschrieben wird, wenn bei der Wendung ein Artikel oder eine Präposition auf der Strecke bleibt – hier z. B. „die“: die Umwelt schonend – umweltschonend. Ein verlässliches Mittel, die korrekte Schreibung zu finden, ist eine einfache Satzumstellung:
Ich schone Umwelt – klingt doof,
also zusammen: umweltschonend
Ich spare Energie – klingt o.k.,
also getrennt: Energie sparend
Und noch ein paar:
Ich decke Flächen – klingt doof, also zusammen: flächendeckend
Ich übergreife Parteien – klingt doof, also zusammen: parteienübergreifend
Ich überschreite Grenzen – klingt o.k., also getrennt: Grenzen überschreitend.
Funktioniert immer.
27.07.05 Die Selbstzahlerkasse
Heute aus dem Fach „Lieblingswörter“: Die „Selbstzahlerkasse“
Wörter sind Kleinode.
Die einen mehr, die anderen weniger.
Ein besonderes Kleinod ist das Wort „Selbstzahlerkasse“.
In großen Supermärkten begegnet man ihr gelegentlich bereits. In Zukunft wohl noch häufiger: der Selbstzahlerkasse.
Ich schätze dieses Wort sehr – die Kasse selber allerdings nicht besonders. Denn seit ich verschiedentlich Texte über die neue Selbstzahlerkasse lektoriere, suche ich unentwegt nach der Kasse, an der ich endlich nicht mehr selbst zahlen muss.
19.07.05 aufwändig oder aufwendig?
Schreibt man nun "aufwendig" oder "aufwändig"?
Gute Frage.
Ich selber schreibe "aufwendig". Die Rechtschreibreformer haben sich für "aufwändig" entschieden – die Presseagenturen fanden das aber zu doof und sind in ihrer Empfehlung bei "aufwendig" geblieben. Die Rechtschreibreformer sehen den Bezug zu "Aufwand" – naja, kann man so sehen. Andererseits sieht "aufwändig" neben "notwendig", "in- und auswendig" auch seltsam und inkonsequent aus.
Der Duden übrigens erlaubt beides.