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Tautologien – die IV.

Mal wieder etwas aus einer meiner Lieblingskisten, den Tautologien. Herr Schuster hat mich letztlich auf das Fußpedal aufmerksam gemacht – sehr schön.

Pedal heißt so viel wie Fußschalter, beim Fußpedal hätten wir dann also den Fußfußschalter identifiziert. Hübsch auch die Langlaufloipe, also die Langlauflanglaufspur. Viel alltäglicher aber steht auf unserem Frühstückstisch häufig die Nussnugatcreme: Nugat heißt Nusscreme – in unserem Fall hätten wir dann also ein Glas voller Nussnusscremecreme.
Man kann’s auch übertreiben – mit der Doppeltbenennung wie auch mit der sprachlichen Pingeligkeit.

Das Freiburger Textbüro in Bonn
Lektorate - Korrekturen - Textarbeit

Mathias Ahuis M.A.
August-Bier-Straße 15
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22.03.2016 Und nun?
Eines der häufigsten Wörter in der deutschen Sprache: das Wörtchen und (genau genommen das dritthäufigste). Und eines der ersten, das die I-Männchen in der Schule zu schreiben lernen – gleich nach Oma und Lili. Dennoch: Häufig wird es falsch eingesetzt. Dann nämlich, wenn der Unterschied zum oder unklar bleibt. Sollte man nicht meinen, aber das scheint nicht so einfach zu sein: oder bedeutet … ja: oder eben, das eine oder das andere, also in der Regel nicht beide. Dagegen heißt und, dass beide gemeint sind, also das eine und das andere. Bei oder hat man es mit einem zu tun, bei und mit zweien oder (!) mehreren … Klingt ganz einfach, wird aber komplizierter, je länger man’s erklärt. Trotzdem wundere ich mich, dass so häufig das eine für das andere genommen wird.

17.02.2016 Eine neue Bedrohung?
„Zahl der Ismalisten und Salafisten steigt“ – so zitierte letztlich die Online-Süddeutsche einen Bericht des Innenministeriums. Das wird ja immer schöner, dachte ich, jetzt also auch noch die Ismalisten. Keine Ahnung zwar, wer das ist, aber sicher nichts Gutes, wenn sie in einem Atemzug mit den Salafisten genannt werden. Kurze Zeit später hatte sich das Problem dann aber aufgelöst – es waren doch nur die altbekannten Islamisten. Nun gut – immerhin nichts Neues. Aber ein Problem des Journalismus auf Twitter- und Facebook-Niveau: Nachrichten werden so schnell rausgehauen, dass man sie kaum wieder einfangen kann, wenn sich ihr Nachrichtenwert als dünn erweist oder der Text zu flott aus der Tastatur geflossen ist. Da ist ein Tippfehler oft noch am ehesten zu verschmerzen.

19.01.2016 Weniger ist mehr II
Warum macht man es sich oft so schwer? Einerseits haben wir uns nicht erst seit den Zeiten der SMS- und anderer Formen der Rumpfkommunikation an die merkwürdigsten Abkürzungen und eine fragmentierte 140-Zeichen-Texte gewöhnt – andererseits erleben merkwürdige Anhängsel Konjunktur: Das Wort Problemstellung etwa hat gegenüber dem Problem keinen semantischen Mehrwert, dito die Fragestellung. Warum aber bevorzugen viele Texter diese unnötig gedehnten Wörter? Und gehen dann in die Falle, wenn sie auch noch von Zielstellungen schreiben? Bitte: Wenn, dann werden Ziele gesetzt, nicht gestellt. Der Unterschied zwischen zeigen und aufzeigen – verschwindend. Wenn der Text also Längen hat – hier könnte man ohne Verluste kürzen.
PS: Eben stelle ich fest: Das hatte ich ja schon mal - im November 2011 ...

16.12.2015 Liebe Kundinnen und Kunden,
die Adventszeit ist in diesem Jahr besonders  lang – aber nun  ist sie doch bald vorbei. Das ist schade, denn es ist doch insgesamt eine schöne Zeit. Andererseits aber kann es nicht Weihnachten werden, bevor die Adventszeit vorbei ist.
Advent heißt Ankunft. In diesem Jahr ist das insbesondere die Ankunft von vielen Menschen. Herzlich willkommen.
Das Freiburger Textbüro in Bonn spendet zu Weihnachten an save me Bonn, eine Kampagne, die sich für die dauerhafte Aufnahme und Integration besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge im Rahmen des UNHCR einsetzt.
Das Freiburger Textbüro in Bonn wünscht Ihnen und allen Menschen, die bei uns leben, eine schöne Weihnachtszeit.

25.11.2015 Kinderlos
Der Sprachwandel mal wieder. Vor einiger Zeit bedauerte ich den Verlust des Wörtchens bitte, das restlos dem gerne oder noch schlimmer sehr gerne weichen musste (vgl. hier) – heute beobachte ich den Untergang eines englischen Wortes: Das child, mehr noch der Plural children – verschwunden, verloren. Binnen weniger Jahre altmodisch geworden, ersetzt durch die Kids. Und das derart gründlich und epidemisch, dass man auch hierzulande um den Fortbestand fürchten muss, und zwar nicht nur biologisch, weil in Deutschland bekanntermaßen zu wenig Kinder geboren werden, sondern sprachlich: Auch bei uns gibt es immer mehr Kids, kaum noch Kinder. Und ich habe irgendwie den Eindruck: Die Kids, das ist in erster Linie eine Werbezielgruppe.

21.10.2015 Wertlos
Meine besondere Anerkennung all jenen, die sich dieser Tage bemühen, unseren Gästen und neuen Mitbürgern Deutsch beizubringen. Eine besondere Hürde wartet auf sie, das sehe ich kommen, wenn sie das deutsche Wort Entwerter erklären wollen und was es im Zusammenhang mit Bus und Bahn bedeutet. Also: Man bezahlt Geld für einen Fahrschein. Dieser Fahrschein ist zunächst aber wertlos – wer mit ihm fährt, fährt schwarz. Um ihm einen Wert zu geben, muss man ihn entwerten mittels eines Entwerters, erst dann taugt er zu seinem Behufe und berechtigt zur Fahrt auf der gebuchten Strecke. Logisch wäre, man würde ihn erst nach der Fahrt entwerten …  aber erkläre das mal einer dem Kontrolleur.
Behufe – tolles Wort, oder?! Das wäre schon Deutsch für Fortgeschrittene.

25.09.2015 Sorry
Mit dem Sinn der Wörter ändert sich vielleicht auch eine Haltung, das gesellschaftliche Miteinander womöglich? Ich möchte nicht zu sehr in die Tiefe gehen mit meiner kleinen Kolumne, aber etwas befremdet bin ich schon. Hörte man von einem Missgeschick, einem kleinen oder auch größeren Unglück, drückte man sein Mitgefühl früher gerne mit den Worten „Das tut mir leid!“ aus. Es geht jetzt nicht darum, ob Leid/leid hier groß- oder kleingeschrieben wird (klein), sondern darum, dass man heute dann immer öfter hört: „Nein, nein – dafür können Sie ja nichts!“
Seltsam – das hatte man ja gewiss auch nicht ausdrücken wollen. Ist Empathie so unzeitgemäß, dass man missverstanden wird, wenn man sie ausdrückt!? Eigentlich doch nicht.

24.08.2015 Nur Mut
Über den Grat und das Rückgrat hatten wir es zuletzt – heute soll es um den bzw. die Mut gehen, denn der kommt ja auch mit den unterschiedlichsten Vornamen daher: Der Kleinmut wäre da zu nennen, der Wagemut, der Hochmut und verschiedene männliche Anverwandte. Daneben aber haben wir weibliche Müter wie die Langmut, die Großmut, Anmut und Demut. Wie das!? Dass die Anmut weiblich ist – klarer Fall. Anmutige Kerle sind doch eher selten. Aber die Wehmut!?
Der Duden sagt, die seien eher aus den Adjektiven rückgebildet, also von demütig, sanftmütig etc., als auf den Mut zurückgehend. Naja – so ganz befriedigend ist das nicht, immerhin wäre dann auch die Hochmut folgerichtig. Ich denke, wir haben es hier eher mit der kreativen Unlogik alles Lebendigen zu tun.

24.06.2015: Man hat es …
… oder man hat es nicht: ein Rückgrat. Auf alle Fälle sollte man aber wissen, um was es sich dabei handelt, und es entsprechend auch richtig schreiben. Es ist günstigenfalls nicht rund, also kein Rückrad. Es ist auch kein Maß, wird also auch nicht Rückgrad geschrieben – alles schon gesehen. Es ist einzig und allein ein Grat: Die Reihe der Wirbel auf einem schönen Rücken (auf einem weniger schönen genauso, sofern man nicht zur Adipositas neigt) steht leicht hervor wie die Gipfel einer Bergkette, darum nämlich Grat. Verwirrend aber ist – das gibt es nicht oft im Deutschen und vielleicht kommt daher die Schreibunsicherheit –, dass es der Grat heißt, aber das Rückgrat. Dafür gibt es auch keinen wirklichen Grund. Zumindest keinen mir bekannten. Das ist halt einfach so. War nicht meine Idee.
PS 08.07.: heute-journal, transkribiertes Statement von Gregor Gysi: Da ist vom Rückrat die Rede - den hatte ich noch nicht. Wie kommt man denn dadrauf!? Hoffentlich ein Tipp-, kein Denkfehler.

28.05.2015 Alles so schön bunt hier
Wie Sie wissen, arbeite ich meist mit dem PDF-Korrektor, der diese schönen, roten Korrekturzeichen auf Ihr Dokument legt. Oder auch blaue – oder grüne, je nachdem. Warum aber immer wieder unterschiedlich? Das hat damit zu tun, dass ich gerne eine auffällige Farbe nehme – in einem Flyer, der überwiegend in Rot gehalten ist, werden rote Zeichen gerne übersehen. Leider ist der PDF-Korrektor aber in der Entwicklung vor rund zehn Jahren nach drei Vierteln der Strecke stehen geblieben und seither auch nicht mehr weitergegangen. Eine seiner vielen Schwächen:  Zum einfachen Wechseln der Farbe muss man ziemlich viel rumklicken – was sehr lästig ist; daher bleibe ich dann oft dabei. Ob ich aber generell bei diesem unfertigen Tool bleibe?! Lassen Sie es mich wissen, wenn Sie die Adobe-Korrekturtools vorziehen.
08.06.2015 PS: Eben bringt der Anbieter den neuen PDF-Korrektor auf den Markt – ein paar Wochen vor dem neuen Windows 10 und mit diesem (noch) nicht kompatibel. Und zum mehr als doppelten Preis.
Ich denke, dann nehme ich demnächst doch tatsächlich lieber wieder die Adobe-Tools ...

20.04.2015 Entscheiden Sie sich – aber richtig
Manchmal muss man sich entscheiden. Und dann kommt man zu einem Entschluss, zu einem Urteil – oder eben zu einer Entscheidung. Das ist alles von ähnlicher Bedeutung. Aber was macht man dann damit bzw.: Was hat man da gemacht? Auf alle Fälle hat man nicht das Urteil getroffen, die Entscheidung nicht gefasst und den Entschluss nicht gefällt. Dennoch liest man dergleichen häufig. Oder in anderer fast richtiger Variante. Das ist ähnlich wie mit anpassen auf, ausrichten an usw. – wir hatten neulich darüber gesprochen (s. hier). Deshalb hier noch einmal neu sortiert und zum Mitschreiben: Ein Urteil wird gefällt, manchmal bedauerlicherweise auch ein Vorurteil. Ein Entschluss wird gefasst und die Entscheidung, die wird  getroffen. So ist’s recht.

23.03.2015 Der Bindestrich mal wieder
Auch im Fernsehen sitzen nicht nur Schriftgelehrte: In der Tagesschau war gestern von der geplanten, aber umstrittenen Anti-Terroreinheit die Rede – genauso war das Thema am Bildschirmrand angekündigt. Mein erster Gedanke war: Klar, Terror ist immer anti. Also ist auch eine Terroreinheit expressis verbis immer anti, also gegen etwas, gegen die Un- oder Falschgläubigen, gegen die Banken, die Fans der gegnerischen Fußballmannschaft. Hier zeigt sich das ganze Desaster eines falsch gesetzten Bindestrichs: Eine Terroreinheit gegen etwas, das ist korrekt eine Anti-Terroreinheit, eine Einheit gegen den Terror aber, das ist wenn dann nur eine  Antiterror-Einheit. Nichts verkehrt macht man, wenn man den Divis ganz weglässt: Antiterroreinheit – dann hat man die Wahl.

17.02.2015 Gesagt ist gesagt …
… oder? Wenn man Interviews korrigiert, gehören dann grammatische Fehler und holperige Sätze zum O-Ton und müssen stehen bleiben? So und so. Natürlich sind Interviews vom Charakter her gesprochenes Wort: Wer ein Interview liest, hat stets eine Gesprächssituation vor Augen. Daher wirken Interviews in geschliffenem Schriftdeutsch auch immer etwas steril und unecht – was sie meist ja auch sind: Insbesondere in PR-Medien segnet der Interviewte in der Regel ein fertig „geschriebenes“ Gespräch nur ab.  Das muss man ihm aber nicht ansehen – deshalb lasse ich kleine Unebenheiten eher drin; richtige Fehler, wie sie beim Sprechen ganz natürlich sind, beim Lesen aber irritieren, korrigiere ich behutsam. Der Leser dankt es. Hoffentlich.

13.01.2015 Das überschätzte Komma
Richtig: Früher, vor knapp fünf Jahren genauer gesagt, habe ich die ein  oder andere Rubrik mit dem „unterschätzten Komma“ gefüllt – heute geht es um die Kehrseite. Ein Komma übrigens, das auch meine Kolleginnen und Kollegen immer wieder fälschlicherweise setzen: Das Komma nach der Grußformel am Briefschluss. „Mit freundlichen Grüßen, Ihr Peter Petersen“. Gefühlte zwei Drittel setzen dieses Komma – und es gehört doch gar nicht dahin. Wirklich nicht. Wie kann man das am besten vermitteln? Vielleicht so: Sie können es sich sparen! Das tut doch jeder gerne, sparen, wo doch alles immer teurer wird ­– oder?

19.12.2014 Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kundinnen und Kunden,
wir hören kaum noch was von Ebola. Aber vor ein paar Wochen haben mich zwei Nachrichten wie ein Grundschulkind an der Welt zweifeln lassen. Die erste war, dass man rund eine Milliarde Euro bräuchte, um Ebola sinnvoll zu bekämpfen. Die zweite, durch einen aufmerksamen Redakteur direkt dahinter platziert: Irgendein Raumfahrtprogramm sei gestartet worden – für elf Milliarden.
Ich kann das nicht ändern.
Habe aber trotzdem gespendet. Den German Doctors. Gegen Ebola. Statt Karten. Nicht nur weil Weihnachten ist.

Ich wünsche Ihnen schöne Feiertage und eine gute Zeit und freue mich auf das nächste, neue Jahr mit Ihnen.

Herzliche Grüße
Ihr Mathias Ahuis

18.11.2014 Wir passen an
Zum einen die Preise – nächstes Jahr wird es mal wieder etwas teurer im Freiburger Textbüro in Bonn (siehe hier), aber wem sage ich das?!
Mit dem Anpassen gibt es aber noch ein anderes Problemchen: Immer öfter (eine meiner Lieblingswendungen, wie Sie vielleicht wissen – wird stets dann benötigt, wenn etwas immer schlimmer wird) geraten ähnliche mehrteilige Wendungen durcheinander. So auch diese: Wir passen die Wandfarbe an dem Teppich aus. Oder: Wir richten die Wandfarbe an den Teppich an. Alles schon gesehen – und nicht nur einmal. Gehört zu dem langen, düsteren Kapitel „Präpositionen“. Ausrichten auf, bitte, und anpassen an – um es kurz zu machen. Denn bald ist Weihnachten, und da haben wir was anderes vor.

13.10.2014 Gendern im Tierreich?
Zuweilen kann man schön beobachten, wie sich der Duden der Straße beugt. Nicht nur umgangssprachlich, sondern auch in den höheren Sphären der Berichterstattung wird immer öfter (oder fällt nur mir das auf?) Tieren ein falsches Geschlecht zugeordnet: Die Krake liest und hört man regelmäßig, die Python. Beiden begegnet man glücklicherweise selten oder nie – dennoch sollte man sie korrekt der Krake und der Python nennen. Warum aber setzt sich hier das Falsche derart durch, dass neuere Duden-Ausgaben schon ugs. oder nichtfachspr. auch die zulassen? Vermutlich im einen Falle wegen der phonetischen Nähe zu Harke, Barke, Marke, Lake, die alle weiblich sind, in dem zweiteren wohl weil (fast) alle andern Schlangen auch weiblich sind. Das wäre zumindest meine Erklärung – aber keine Entschuldigung!

27.08.2014 Von Mund zu Mund?
Oder doch eher zum Ohr? Manche Verirrungen kommen so gehäuft vor, dass man fast fürchten muss, sie könnten sich durchsetzen. Vielleicht ist es mir ja vorher auch schon öfter durchgerutscht, aber irgendwann stolperte ich über die Mund-zu-Mund-Propaganda. Müsste das nicht Mund zu Ohr heißen, dachte ich?! Aber der Begriff Mund-zu-Ohr-Propaganda klang mir auch gänzlich unvertraut – ein schüchterner Blick in den Duden brachte Klarheit: Es heißt ganz simpel Mundpropaganda. Das andere Wort, das sich da klanglich assoziativ in den Vordergrund geschoben hat, ist die Mund-zu-Mund-Beatmung. Das hat wirklich nichts miteinander zu tun – aber sowas von gar nichts. Aber seither begegnet mir die Mund-zu-Mund-Propaganda immer wieder.
Sachen gibt's ...

24.07.2014 Die Schlacht ums Büfett
Manchmal kann man dem Sprachwandel geradezu über die Schulter schauen bei seinem Wirken und befremdlichen Tun. Da haben wir z. B. das Büfett (1 f, 2 t), das mir immer wieder in meinen Texten unterkommt – und zwar fast durchweg in der Variante Buffet (2 f, 1 t). Der Duden verzeichnet dies zwar als Nebenschreibweise, vorzugsweise in Österreich und der Schweiz – inzwischen schreiben aber auch die Hamburger und Nordflensburger fast nur noch Buffet.
Soll mir ab heute schnurz sein – denn zum einen korrigiere ich das nicht mehr, zum anderen fahre ich jetzt in den Urlaub. Und dann  darf sich meine fantastische Vertretung darum kümmern … die kommt auch aus Nordflensburg und weiß Bescheid.

12.06.2014 Sprachmoden
Zuweilen greifen eigenartige Gewohnheiten ganz plötzlich und wie verordnet um sich. Generationen von deutschen Sprachanwendern griffen, um das ewige, langweilige und zu variieren, gerne auf die Wendung sowohl als auch zurück: Sowohl die Deutschen als auch andere Nordlichter werden in Brasilien weidlich schwitzen. Das als darf dabei in diesem Fall gerne durch wie ersetzt werden – was ja, wie wir wissen, nicht immer gutgeht. Zunehmend wird aber auf das sowohl verzichtet und das einsame als auch muss als Konjunktion herhalten. Die Deutschen als auch andere Nordlichter - das geht, ja, klingt aber unnötig verknappt und man geht immer noch einmal im Satz zurück, ob man das sowohl nicht übersehen hat. Ich denke: Sowohl ist doch ein hübsches Wort und so viel Zeit sollte sein.

05.05.2014 Schreiben und Lesen
Wann eigentlich schreibt man Verben groß? Immer wieder begegnet mir etwas wie: Mitmachen und Gewinnen! Oder doch: Mitmachen und gewinnen? Ob Verben substantivisch gebraucht werden, ist nur innerhalb des Satzes festzustellen – deshalb geht in einem Fall wie diesem im Grunde beides, denn ein Satz im eigentlichen Sinne liegt bei Mitmachen und Gewinnen nicht vor. Das Lesen macht mir große Freude. Klarer Fall – der Artikel zeigt es bereits: das Lesen. Aber (das) Schreiben bzw. (zu) schreiben fällt mir schwer. Hier sieht man den Unterschied. Als Substantiv können allerdings nur alleinstehende Verben durchgehen: Jetzt Gewinnen geht also nicht. Aber bald Feierabend, das geht.

22.03.2014 Wie schreibt man am besten?
Am besten schreibt man am besten klein. Erstaunlich oft aber schreiben das auch schriftkompetente Menschen groß: am Besten. Warum eigentlich? Niemand käme doch auf die Idee, zum Beispiel Sie ist am Schönsten zu schreiben, ich bin am Dööfsten – oder? Adjektive werden, auch in gesteigerter Form, kleingeschrieben: groß, größer, am größten. Damit hat normalerweise niemand Probleme. Ich denke, dass hier eine Verwechselung mit der Präposition am bzw. an dem vorliegt: Bei Weitem, im Allgemeinen, seit Langem, im Wesentlichen – wird alles großgeschrieben. Das am in am besten ist aber lediglich Teil der Bildung des Superlativs und in diesem Sinne keine eigentliche Präposition. Also nicht so eine richtige - wenn Sie wissen, was ich meine.

14.02.2014 Friedrich gegen ihn
„Friedrich will bei Ermittlungen gegen ihn zurücktreten“ hieß es heute in der Onlinezeitung unter Süddeutsche.de. Heijajei, dachte ich, wissen die Leute denn immer weniger, wie das Reflexivpronomen heißt?! Habe ich doch neulich erst mich neunmalklug drüber ausgelassen (siehe hier - naja, doch schon fast zwei Jahre her). Und Belegstellen aus der Zeitung mitgeliefert – und jetzt sogar in der Überschrift! Wo soll denn das noch enden? Es endete dann aber doch sehr bald – schon eine Stunde später war die Head korrigiert: „Friedrich will bei Ermittlungen gegen sich zurücktreten.“ Danke. Jetzt kann ich besser schlafen. Nicht wegen des Rücktritts, versteht sich …

10.01.2014 So lange – mal wieder
Über den Unterschied zwischen solange und so lange habe ich mich vor etlichen Jahren hier bereits ausgelassen. Jetzt sind mir die beiden wieder vermehrt untergekommen – und offensichtlich herrscht hier weiterhin Unklarheit. Nun, Unklarheit herrscht allenthalben – aber wenn man sie schon mal beseitigen kann, warum nicht? Versuchen wir es doch mal mit der Ersetzen-Methode: Kann man es durch während oder wenn ersetzen und bleibt der Satz grammatisch korrekt, haben wir es mit einer Konjunktion zu tun, die zusammengeschrieben wird. Also: Bleibe, solange du willst (bleib, wenn du willst). Aber: Bleibe so lange, bis du genug hast – denn das funktioniert weder mit während noch mit wenn.
So einfach lassen sich längst nicht alle Unklarheiten aus der Welt schaffen - aber manche schon.

18.12.2013 Liehe Kundinnen und Kunden,
das Freiburger Textbüro in Bonn möchte in diesem Jahr wieder etwas zurückgeben, weitergeben, abgeben – wie auch immer, auf alle Fälle: Geben. In diesem Jahr geht eine Spende an die German Doctors, vielen noch als Ärzte für die Dritte Welt bekannt. Das ist zum einen ein weihnachtlicher Gruß, zum anderen aber auch eine Art Nachbarschaftshilfe, denn die Doctors sitzen bei mir ganz in der Nähe – natürlich nur sofern sie nicht in der ganzen Welt ihre bewundernswerte und unbezahlbare Arbeit leisten. Zudem haben die Ärzte auch noch etwas gut bei mir …

Ich wünsche Ihnen eine beglückende Weihnachtszeit und ein freudevolles Jahr 2014
Ihr Freiburger Textbüro in Bonn
Mathias Ahuis

22.11.2013 Das Ungernegroß
Mit manchen Fehlern ist es wie mit merkwürdigen Modeerscheinungen: Jahrelang war man einigermaßen stilsicher und plötzlich geht es mit dem guten Geschmack steil bergab: Die T-Shirts rutschen immer höher, die Hinterteile der Jeans immer tiefer, die Tattoos nehmen ab und zu und auf einmal meinen alle, ihr und sie müsste immer großgeschrieben werden. Muss es nicht – versprochen. Nur wenn das Höflichkeits-Sie/Ihr gemeint ist. In der dritten Person Einzahl gilt weiterhin normale Kleinschreibung, also: Glauben Sie mir, auch diese Mode hat ihre Zeit. Gehabt. Schon morgen ist sie unmodern. Aber ihre Tattoos, die bleiben. Und Ihre auch.

24.10.2013 Weniger ist Mehr
Auch in der Grammatik zuweilen – deshalb sollten wir vielleicht doch besser von Singular und Plural sprechen, wenn wir Einzahl und Mehrzahl meinen. Denn diese deutschen Bezeichnungen sind durchaus verwirrend, zumindest ungenau. Jedes Kind weiß zum Beispiel, dass Tausendundeine Nacht nicht nur eine ist bzw. sind, sondern eben 1001 – dennoch heißt es nicht, diesem pluralischen Umstand auch grammatikalisch gerecht werdend, 1001 Nächte. Klänge ja auch doof. Andersherum kriegt, wenn wir einen Apfel durch vier Leute teilen, jeder 0,25 Äpfel – das ist bei Weitem weniger als ein ganzer, dennoch nehmen wir die grammatikalische Mehrzahl. Verstehe wer will – aber wie auch immer: An apple a day keeps the doctor away.

10.09.2013 Bitte nicht immer so gerne
Selten hat man ein Wort, noch dazu ein so nettes, derart gründlich untergehen sehen können. Wie vom Eisberg des Gerne! seitlich aufgeschlitzt stellte das Bitte sehr! nur kurz den Bug in die Höhe und versank dann ruckzuck in den Wellen einer untergegangenen Sprache. Es ist gar nicht so lange her, dass sich dieses meist hingeflötete Gerne! als Replik auf ein wohlerzogenes Danke! einbürgerte – schon nach kurzer Zeit war es aus mit dem Bitte!, dem Bitte sehr! oder auch Bitte schön! Man hört es in dieser Bedeutung fast gar nicht mehr, dieses Zauberwort mit zwei t. Schade eigentlich – es war doch irgendwie glaubwürdiger: Es entsprach der Höflichkeit, auch wenn etwas nicht unbedingt gerne getan worden war.
Und Korsika? Bin längst zurück – ungerne. Aber bitte ...

08.07.2013 Muttersprache: Denglisch IV.
Lange nichts mehr gehört aus dieser Rubrik. Vor sechs Jahren hatte ich auf die Problematik hingewiesen, wenn man den Art Director korrekt gendert und dann nicht weiß, wie man Art Directorin aussprechen soll. Oder doch Art Directress?! Schief gehen kann es natürlich auch, wenn man ein flott aus dem Englischen entlehntes Verb konjugieren will: Ich skate inline / inlinskate?! Jetzt tritt aus den Kullissen der facebook-Welt neu auf die Sprachbühne das schöne Verb liken. Likest du das? Dann like ich es auch. Schlimm ist das. Aber das Prädikat im Deutschen mit t bitte sehr: geliket. Nicht geliked – nein, nein und nochmals nein! Sieht eh beides gleich dämlich aus. Kann man’s wenigstens korrekt machen.
Und in sechs Wochen geht’s nach Korsika.

23.05.2013 Zettelwirtschaft
Normalerweise habe ich immer ein paar Zettel auf meinem Schreibtisch liegen – so richtige, aus Papier, beidseitig beschreibbar. Dann allerdings meist nur noch in Teilen zu entziffern. Und auf diesen Zetteln sind dann oft neue Ideen für meine Werkstattberichte notiert – aber jetzt?! Kein Zettel nirgends. Mal wieder zu gründlich aufgeräumt. Aber was mir dabei ins Auge fällt: Eine Buchungsbestätigung für die Fähre nach Korsika im August, die Reservierung des Zeltplatzes, ein Hotel für die Nacht, wenn morgens die Fähre geht, ein Kartenausschnitt – ach, wer denkt denn da noch an die Werkstatt. Der Mai ist gekommen und man kann’s kaum erwarten, dass er endlich wieder geht, dieser grausliche Mai, und es endlich August wird. Nur noch elf Wochen bis Korsika.

18.04.2013 Bullets over Broadway
Man muss nicht jeden der gefühlten 20.000 Filme von Woody Allen gesehen haben – dieser aber ist nicht verkehrt. Aber hier geht es um  andere Bullets: Bei Gliederungen und Bulletpoints, muss man da, so werde ich immer wieder gefragt und frage mich selbst immer wieder, groß schreiben? Und Punkt am Ende? Das kommt darauf an (das übrigens eine Lieblingswendung von Juristen und Lektoren): Bei Nominalphrasen, also Nicht-Sätzen, schreibt man je nach Wort vorne groß oder klein und besser ohne Punkt; bei Sätzen groß beginnen und Punkt am Ende, ganz wie man es in der Grundschule gelernt hat. Und ganz toll wäre halt – aber das macht kaum einer und darum ist es oft so schwierig: innerhalb einer Checkliste einheitlich grammatische Sätze oder eben keine Sätze …

19.03.2013 Nicht wieder erinnern
Vor Jahren und Tagen habe ich mal einen Drucker erworben und die entsprechende Treibersoftware installiert – und wie das so ist, da wird ja immer noch dies und das mit installiert, ohne dass  man es so richtig im Griff hat. Zum Beispiel ein unsinniges Scanprogramm, undurchsichtig und unbrauchbar. Der Drucker ist längst dahin – das Programm ist noch da. Ist sogar eigenmächtig mit auf meinen neuen Rechner umgezogen. Und jetzt will dieses Programm Woche für Woche registriert werden. Man kann dann – Sie werden das kennen – auch „später erinnern“ oder „nicht mehr erinnern“ anklicken. Das ist aber völlig Wurst – Sie können bei diesen Programmen hundertmal „nicht mehr erinnern“ wählen – die bleiben Ihnen erhalten wie ein Fußpilz. Und jetzt fängt sogar mein CMS-Programm damit an, mit dem ich seit acht Jahren arbeite – das sind die Momente, an denen ich unflätig werden möchte, dann aber doch gelassen und flätig bleibe.

20.02.2013 Verwandte zweiten Grades
Die Älteren unter uns erinnern sich sicherlich noch an die Rechtschreibreform und die daraus resultierende Neue Rechtschreibung. Inzwischen ist das ja kalter Kaffee und es will auch niemand mehr die alte von mir. Nur die FAZ hängt nach wie vor etwas affektiert an ein paar alten Orthografien – im Großen und Ganzen hat sich aber auch dort die heute gängige Schreibweise durchgesetzt bzw. eingeschlichen. Man muss sich nicht mehr am Spracherhalt abarbeiten. Trotzdem schreibe ich weiterhin von meiner Cousine, denn wenn ich die Kusine vorziehe, was mache ich dann mit meinem Couisn? Soll ich vielleicht Kusäng schreiben? Nein – dann doch lieber den Vetter.
(Aber ob das mit der Borussia noch was wird?!)

09.01.2013 Einfach doppelt
Als gebürtiger Dortmunder und leidenschaftlicher Ex-Freiburger fällt es mir nicht leicht – aber die Bayern werden sich die Fußballmeisterschaft dieses Jahr wohl nicht mehr nehmen lassen. Vielleicht noch den Pokal – das Double?! Auch in der Champions League sind sie noch im Rennen; sollte es gar mit dem Triple klappen?! Diese Begriffe tauchen sicher bald wieder auf – geschrieben und gesprochen. Und dann fragt sich der Nörgler wieder, weshalb man Dubel sagt, wie der Freiburger den Unterbelichteten bezeichnet, und nicht englisch Dabbl, wie es die Schreibweise gebieten würde. Und Triple?! Das müsste dann entweder Trippl gesprochen werden, statt Triepel, oder man sollte beim deutschen Tripel bleiben – das darf dann auch so gesprochen werden und man muss gar nicht mit falschem Englisch daherkommen.
Aber wahrscheinlich gewinnt doch wieder der BVB. (Hofft der Lektor.)

17.12.2012 Liebe Kundinnen und Kunden,
statt an der Dreisam gen Osten laufe ich ja inzwischen regelmäßig den Rhein aufwärts. Sie wissen ja, weshalb. Und immer wenn es mir dann von vorne entgegenbläst, denke ich: Ah – Südwind. Und dann fällt mir ein, dass ja Weihnachten wird und dass ich wieder an Südwind Freiburg e. V. spenden wollte: Der Verein für soziale und interkulturelle Arbeit bietet u. a. Migrantinnen und Migranten Integrationskurse mit Alphabetisierung an. Und das mache ich jetzt.
Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit und Frohe Weihnachten und freue mich auf viele neue gemeinsame Projekte mit Ihnen im Neuen Jahr!

Ihr Mathias Ahuis
Das Freiburger Textbüro in Bonn

02.11.2012 Tautologien – die VII.
Schon wieder. Tautologien sammeln ist ja immer ein bisschen wie Memory spielen – man schaut einfach genau hin, wo etwas doppelt ist. Und manche sind einfach besonders hübsch. Diese zum Beispiel möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: Da wird Wasser-Rafting angeboten. Damit auch jeder weiß, worum es geht: Das ist so etwas wie Schnee-Skifahren oder Luft-Drachenfliegen, allerdings aufregender als Fußwandern. Man fährt mit einem Wasserboot einen wilden Wasserfluss hinunter, an Steinfelsen vorbei, umgeben von urwüchsigen Baumwäldern … Entschuldigung. Ich habe mich etwas gehen lassen. Wir Schlaumeier können manchmal schon nerven. Soll nicht wieder vorkommen. Zumindest nicht vorm nächsten Mal.

26.09.2012 Tautologien – die VI.
Der Alltag ist eingekehrt, das Freiburger Textbüro in Bonn hat sich warmgelaufen – da kann ich mich mal wieder einem meiner Lieblingsthemen zuwenden, den Tautologien. Eine besonders hübsche Tautologie ist mir vor einiger Zeit begegnet: die maximale Obergrenze. Sehen Sie – das muss ich jetzt gar nicht mehr erklären, denn Sie haben meine Berichte selbstverständlich immer brav verfolgt und erkennen das sofort. Oder doch? Also: Obergrenze ist Obergrenze, und wenn sie nicht maximal wäre, wäre es keine Obergrenze und mein Hut, der hat drei Ecken. Nur mein Kunde – der hat die maximale Obergrenze entgegen meinem Rat stehen gelassen. Naja, warum auch nicht. Aber gesagt habe ich es!

21.08.2012 Wie – Freiburger Textbüro in Bonn?
Macht das denn Sinn?!
Aber ja. Als ich mich vor rund zwölf Jahren entschloss, den lokalen Bezug in Namen meines Büros in Freiburg aufzunehmen, wusste ich nicht, dass ich die schöne Stadt mal verlassen würde. Der Vorteil war damals, dass wer einen lokalen Anbieter von Lektoraten googelte, so relativ häufig zu mir fand.
Aber jetzt meinen Laden umbenennen? Neue URL, neue Mail-Adresse, Umleitungen und der ganze Aufwand? Der Einfachheit halber bleibe ich „Das Freiburger Textbüro" – Zusatz: „ in Bonn“.
Wer jetzt also einen Lektor in Freiburg sucht, findet mich weiterhin. Und dass ich kein lokaler Anbieter mehr bin – eigentlich egal. Eine Mail von meinem Kunden in Gundelfingen war auch schon mal 24 Stunden unterwegs. Da sind die nach Bonn in aller Regel schneller. Versuchen Sie's.
Zur Einstimmung und weil Sie alles mit mir mitmachen gibt es einen kleinen Ich-würde-Sie-gerne-nach-Bonn-mitnehmen-Rabatt von 10 %, bis Mitte September auf alle neuen Aufträge – übrigens nicht nur für Neukunden, sondern insbesondere für Sie, meine Stamm- und Lieblingskunden.

20.07.2012 Das Freiburger Textbüro in Bonn
Ist das nicht Unsinn?! Irgendwie schon – und dann  aber auch wieder nicht. Denn vor 22  Jahren kam ich der Liebe wegen nach Freiburg. Jetzt werde ich derselben Liebe wegen Freiburg wieder verlassen. Das ist auch der einzige Grund, den man gelten lassen kann, wenn jemand Freiburg verlassen möchte.
So werden Sie das Freiburger Textbüro jetzt in Bonn wiederfinden. Das ist für Sie relativ unerheblich, auch für meine vielen Freiburger Kunden  – Sie sollten es aber dennoch wissen …
Nun stehen ein paar Tage Umzugschaos und dann ein notwendiger Urlaub an. Und da meine bewährte Kollegin Frau Heinecke dieses Jahr in derselben Zeit ihr Büro schließt, bleibt auch im Freiburger Textbüro bis zum 21. 8. der DUDEN geschlossen.
Dann erreichen Sie mich wieder in alter Frische unter folgender Adresse und Rufnummer (Mail bleibt unverändert):

Mathias Ahuis
Das Freiburger Textbüro in Bonn
August-Bier-Straße 15
53129 Bonn
Tel.: 0228-85030213

Bleiben Sie mir gewogen – bis dahin herzliche Grüße
Mathias Ahuis

21.06.2012 Welche Sonne?
Immer wieder begegnen mir Wendungen, die besonders schriftdeutsch korrekt und gehoben klingen sollen, aber eher umständlich und antiquiert wirken. Besonders häufig zeigt sich das bei dem alten Relativpronomen welche/-r/-s. Die Sonne, welche eben noch schien, ist plötzlich nicht mehr da. Aua. Ich bin da ein ausgesprochener Anhänger der einfachen Variante, nämlich der, die, das in ihrer Funktion als Relativpronomen zu verwenden, da – wie übrigens auch der DUDEN vermerkt – welche etc. immer etwas schwerfällig und altmodisch klingt, und korrigiere meist entsprechend. Also lieber: Die Sonne, die eben noch schien, … aber da ist sie ja schon wieder. Wie schön!

15.05.2012 Die Website und ihre Webseiten
Nicht dass ich die Regel so toll fände, aber es steht nun mal so geschrieben im DUDEN. Und weil es diesen Unterschied gibt, wie sinnvoll auch immer er sein mag, weise ich noch einmal darauf hin – im Rahmen meiner Lektorate habe ich schon unzählige Male darauf hingewiesen: Eine Homepage mit all ihren Unterseiten, also der ganze unter einer URL auffindbare Auftritt , das ist englisch die Website, und das ist auch meist gemeint. Eine einzelne dieser (Unter-)Seiten, das ist deutsch eine Webseite. Ja natürlich – das ist etwas pingelig. Aber ein Lektor, der nicht pingelig ist, den will bald keiner mehr haben. Und man wird doch so gerne gebraucht im Leben.

17.04.2012 Wie geht es sich?
Mit der allgemeinen Sprachkompetenz wird es noch ein böses Ende nehmen. Ein immer öfter – das übrigens ein klarer Indikator für alles Böse, wenn etwas „immer öfter“ auftritt, meist ist dann auch von einer verheerenden Dunkelziffer die Rede –, also ein immer öfter auftretendes Desaster ist die Unkenntnis des Reflexivpronomens 3. Pers. Sg./Pl., Dat./Akk. Das klingt kompliziert, ist es aber gar nicht: er grämt sich, sie ärgern sich, sie schämt sich. So einfach. Gestern las ich in der SZ, S. 8: „…Timoschenko wird an einem … Prozess gegen sie nicht teilnehmen.“ Auf S. 10: „… Breivik will den Prozess gegen ihn…“ (von verschiedenen Autoren übrigens). Liegt’s am Gerichtswesen mit seinen leidigen Prozessen?! Bitte, es heißt sich und nur sich! Merken Sie’s Ihnen bitte.

23.02.2012 Ein neues Unwort
Wir haben an dieser Stelle bereits mehrmals die Be- und Absonderlichkeiten einiger Unwörter behandelt. Wörter, die sich erfolgreich und eigensinnig dagegen wehren, ihren Sinn durch das Präfix un- bzw. durch Fortlassen desselben kurz und bündig ins Gegenteil zu verkehren. Wir hatten da die Unkosten, die genauso ärgerlich sind wie die Kosten, ferner das wirsche Gebaren, das sich nur unwesentlich von  dem unwirschen unterscheidet. Dann gab es das Ungetüm und den Unhold, ferner das Geheuer  - von denen wir nun hoffen wollen, dass sie sich wenigstens gestüm und einigermaßen flätig benehmen. Aber wahrscheinlich sind sie doch nur wieder völlig unflätig. Ein Unding ist das.

01.02.12 Tautologien – die V.
Wir haben lange nicht mehr über die Tautologien geplaudert. Genau genommen schon zwei Jahre nicht mehr, damals ging es um die Nussnusscremecreme. Dabei ist das immer wieder unterhaltsam, so unter uns Besserwissern und Neunmalklugen. Letztens hatte ich mal wieder eine ganz nette in meinem beruflichen Alltag: Da war von vorbeugenden Schutzmaßnahmen die Rede. Das klingt zunächst sinnvoll und umsichtig – aber ist der Schutz nicht an sich und per se eine Maßnahme zur Vorbeugung?! Aber man sollte vielleicht dennoch, schon rein prophylaktisch, vorbeugende Schutzmaßnahmen ergreifen?! Oder besser nicht? Wie auch immer – geben Sie auf sich acht.

05.01.12 Ein frohes Neues Jahr
wünsche ich allerseits. Oder doch ein frohes neues Jahr? Alljährlich treten meine Kundinnen und Kunden mit dieser Frage an mich heran, wenn sie ihre Weihnachts- und Neujahrspost erledigen: Neues Jahr oder neues Jahr? Und dann hebe ich an und hole aus – etwa folgendermaßen: Ja, der Duden sagt bzw. schreibt das neue Jahr, soweit wären alle Klarheiten beseitigt. Manchmal aber tendiere ich dazu, den Duden Duden sein zu lassen und wie die meisten, zumindest im Zusammenhang mit standardisierten Glückwünschen, Neues Jahr zu schreiben und zu empfehlen – denn es sieht einfach besser aus. Und das Neue Jahr ist einfach etwas anderes als ein neues Auto, eine neue Freundin oder ein neuer Bundespräsident. Meine ich.

12.12.11 Liebe Kundinnen und Kunden,
wenn man nie die Möglichkeit hatte, richtig Lesen und Schreiben zu lernen – wer soll denn dann die Weihnachtspost erledigen?! Wie soll man seinen Wunschzettel schreiben, und noch wichtiger: den der Kinder lesen können?
Das kann nicht richtig sein. Deshalb unterstützt das Freiburger Textbüro auch in diesem Jahr wieder die Arbeit von Südwind Freiburg e. V. Der Verein für soziale und interkulturelle Arbeit bietet u. a. Migrantinnen und Migranten Integrationskurse mit Alphabetisierung an.
Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit und Frohe Weihnachten und freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen im Neuen Jahr!
Ihr Mathias Ahuis
Das Freiburger Textbüro

28.11.11 Neue Stellungen
Keine Sorge, es ist nicht das Kamasutra, das heute auf die Werkbank kommt; ich eröffne auch keine neue Jobbörse. Es geht wie immer branchennah um Sprachliches: Warum gibt sich heute keiner mehr mit Fragen und Problemen ab? Warum muss, entgegen dem der Faulheit geschuldeten Trend zur Verkürzung, aus jedem Problem eine Problemstellung werden, aus jeder Frage eine Fragestellung?! Eine Unsitte, die längst zur Pandemie geraten ist. Neu in diesem Kanon, aber hochansteckend auf dem Vormarsch: die Zielstellung! Aber Obacht: Ziele setzt man sich – es kann also, wenn es denn sein muss, korrekt nur von Zielsetzungen die Rede sein. Klingt aber genauso bescheuert.

04.11.11 Frisch gestrichen II
Das mit dem Bindestrich wollen wir geschwind noch einmal aufgreifen. Ob einzelne Begriffsbestandteile mit einem Bindestrich angebunden werden müssen, merkt man oft bereits daran, ob sie sinnvoll alleine stehen können. Bei unserem Beispiel von neulich – St. Marienhaus, siehe hier – sieht man‘s  gleich: Sankt alleine macht keinen Sinn, Marienhaus auch nicht; sinnvoll ist St. Marien einer- und Haus andrerseits – und weil St.Marienhaus nicht so gut geht, Sanktmarienhaus auch nicht, gilt ergo: St.-Marien-Haus.
Gut dass wir mal drüber geredet haben.

18.10.11 Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kundinnen und Kunden,
wie jeder weiß, bringt zu Halloween der Große Kürbis den Kindern die Geschenke. Sagt Linus.* Wenn sie brav sind.
Kunden des Freiburger Textbüros sind mehrheitlich keine Kinder mehr, dennoch soll es auch für sie eine Kleinigkeit geben: bis Halloween 10 % auf alle Aufträge.** Wenn Sie brav sind.
Und dieses Angebot ist deutlich zuverlässiger als der Große Kürbis und Sie müssen nicht einmal nachts auf dem Acker ausharren. Das ist doch was.

Mit herbstlichen Grüßen 
Ihr Mathias Ahuis

* Wer es nicht weiß: hier.
** Das Kleingedruckte:  … gilt nicht für bereits erstellte Angebote und rabattierte Sammel- sowie Großaufträge.

27.09.11 Frisch gestrichen I
Mit dem Bindestrich – ja, das ist doch im Grunde gar nicht so kompliziert. Wenn ich dann aber die großen Messinglettern am örtlichen Altersheim sehe, die den Namen des Hauses angeben (sollen), denke ich: Das kann doch nicht so schwer sein. Und die sind doch so teuer – warum kann man dann nicht wenigstens richtig schreiben? St. Marienhaus steht da. Also bitte: Das eine ist St. Marien, das andere ist das nach ihr benannte Haus, also kein Marienhaus mit der näheren Bezeichnung St., sondern St. Marien mit der Erweiterung Haus. Und wenn das zusammengefügt wird, braucht es die Striche: St.-Marien-Haus. Heißt ja auch nicht Friedrich Schillerstraße – oder?
Na bitte. Ist doch wirklich keine Hexerei.

25.08.11 Unwort dieses Jahres
Vor einigen Jahren  habe ich mich an dieser Stelle über das Wörtchen wirsch respektive unwirsch ausgelassen (ganz unten im Archiv). Das Bemerkenswerte daran war, dass das eine ziemlich synonym mit dem anderen ist – und das, obgleich die Vorsilbe un- landläufig ein Wort in sein Gegenteil verkehrt. Ein weiteres, weitaus geläufigeres Wort aus derselben Kategorie sind die Kosten. Kosten muss man zahlen – Unkosten aber leider auch. Auch wenn’s nicht an der Selbstzahlerkasse ist … Die Unkosten bereichern den Sprachschatz also nicht; das haben sie mit dem Hold, dem Geheuer und dem Getüm sowie dessen großem Bruder, dem Gestüm, gemein, die jedoch ohne ihr un- alle irgendwie unvollkommen wirken.

21.07.11 … wie gewohnt
Wer heute noch seine Zeitgenossen mit einem neunmalklugen als korrigiert, wenn mal wieder jemand das laut DUDEN umgangssprachlich weitverbreitete wie als Vergleichspartikel verwendet, macht sich schnell zum gemiedenen Außenseiter. Dennoch muss der Lektor noch einmal darauf hinweisen: Die Vertauschung kann auch ziemlich schiefgehen. Eine benachbarte Schule bat letztlich die Anwohner unserer Straße schriftlich mit folgendem Hinweis um Nachsicht für eine anstehende Abiturfeier: … wenn es also etwas lauter werden sollte, wie Sie es gewohnt sind, bitten wir …
Das ist die Stunde des Pingels: Meinten die Abiturienten (!) also so laut wie immer oder meinten sie lauter als sonst?!
Also bitte – bleiben Sie sprachgenau und seien Sie nachsichtig mit dem Deutschlehrer.

14.06.11 Bilanz
Seit sechs Jahren schreibe ich die Werkstattberichte für meine Website, ein knappes Dutzend pro Jahr – Zeit, einmal Bilanz zu ziehen:
Um das aufwändig ging es im ersten Bericht – es ist Gott sei Dank fast ganz verschwunden, es blieb eine Stilblüte der Rechtschreibreformgeschichte. Die Selbstzahlerkasse? Nun – ich muss immer noch selber bezahlen, keine Besserung also. Die Expertise in der Bedeutung von Expertentum hat es noch immer nicht in den DUDEN geschafft; wird vielleicht noch. Aber energiesparend hat sich nun doch durchgesetzt.
Die Gewinn- und Verlustrechnung? Ich hab’s aufgegeben, DUDEN hin oder her. Aloe vera wird immer noch durchgehend falsch geschrieben – aber auf Katthult ist tatsächlich nicht eine einzige Wurstpelle übrig geblieben.

16.05.11 Selbstverständlich selbstständig
Und natürlich auch mit st. Beide. Das gehört zu unserer alten Rubrik Glücksgriffe der Rechtschreibreform. Immer wieder sieht man diese verkürzte Version selbverständlich – weiß der Himmel, wieso. Gut, früher hat man sich beim selbständig ein st gespart, da war ja alles noch ein wenig knapper. Das fing schon beim Taschengeld an. Aber selbstverständlich wurde schon immer komplett geschrieben. Und selbstständig inzwischen glücklicherweise auch. Ich habe nie einen Grund finden können, selbständig zu schreiben. Gibt es irgendeine sinnvolle Verknüpfung mit selb? Im Duden finden sich da lediglich die taufrischen Begriffe selbander, selbdritt – und Selby, Hubert. Das ist ein Autor, den kann man lesen. Muss man aber nicht.

11.04.11 Das unterschätzte Komma III
Ganz bedauernswert ist ja auch das Dasein des Kommas am Ende eines Relativsatzes oder des attributiven Nebensatzes– wie man es auch nennen will; die Schulen bezeichnen diese Dinge ja alle 15 Jahre komplett neu, mit dem alleinigen Zweck, dass Eltern ihren Kindern nicht bei den Hausaufgaben helfen können. Aber zurück zum Nebensatz: Der braucht auch hinten ein Komma – und bekommt es doch viel zu selten. Kennen wir nicht alle diese Dinge, die wir viel zu selten bekommen?! Genau.
Der Zug kam zu spät, wie er das häufiger tat, und platzte zudem aus allen Nähten.
Der Hauptsatz ist verkürzt: Der Zug kam und platzte – und nicht: er kam, tat und platzte. Also – Kommas kosten doch nicht die Welt.

14.03.11 Das unterschätzte Komma II
So ein kleines Häkchen, verachtet, verlacht, gering geschätzt und oft nur häufchenweise wie eine Prise Salz ins Essen über den Text gestreut. Kann aber schief gehen. Beim Salz wie auch beim Komma („Salzen nach Belieben“, summt Melchersen in Ferien auf Saltkrokan beim Kochen vor sich hin – das Ergebnis ist verheerend). Eine Werbeanzeige der EADS vor einiger Zeit z. B. schloss einige parallel gesetzte Suggestivfragen mit der Antwort: Wir denken nicht. Wer immer da auch nicht gedacht hat, er hätte es tun sollen. Wenn die in den Eingangsfragen vorgestellten Optionen im Sinne der Werbung auch zu verneinen waren, so hätte man doch vielleicht besser geschrieben: Wir denken, nicht. Ohne das Komma aber – verheerend. Wie Melchersens versalzener Fisch.

03.02.11 Inzwischen e-los: Die Spontanität
Das war auch so ein Wort, das mir schon als Kind aufgestoßen ist: Was machte nur dieses e in Spontaneität? Alle möglichen substantivierten Adjektive gab es auf -ität, Real-ität, Funktional-ität, Univers-ität, Formal-ität – aber keines auf -eität. Und musste man das e mitsprechen? Also Spontanaität? Es war rätselhaft und erschien dem kindlichen Sprachanwender zutiefst unsinnig. Die Entwicklung spendete Trost: Hier liegt also mal wieder einer der dünn gesäten Glücksgriffe der Rechtschreibreform vor, denn dieses e ist verschwunden; zumindest wird sein Schwund großzügig angeboten. Auch wenn im Duden gleichberechtigt die Spontanität neben der Spontaneität liegt bei mir nur noch ohne e.

17.12.10 Liebe Kundinnen und Kunden,
als Lektor hat man ja nicht immer das Gefühl, so richtig Bedeutungsvolles zu leisten. Hier ein Komma, dort eine gefälligere Satzstruktur, ein passenderer Ausdruck; auseinandersetzen zusammenschreiben? So what. Die Welt dreht sich in beiden Fällen weiter.
Aber wenn man – Kommas hin, neue Rechtschreibung her– gar nicht schreiben kann?! Das ist dann ja richtig doof. Und der Lektor fühlt sich ein bisschen wie ein Sternekoch, der zwischen Safranfädchen und Kalbsnierchen rumscharwenzelt, während die Leute nichts zum Beißen haben. Darum: Dieses Jahr keine Weihnachtspräsente, sondern eine Spende an Südwind Freiburg e.V., einen Verein für soziale und interkulturelle Arbeit, der sich unter anderem um die Alphabetisierung von Migrantinnen und Migranten kümmert.
Ich wünsche Ihnen frohe Feiertage und ein gesundes, gutes neues Jahr

Ihr Mathias Ahuis

18.11.10 Das unterschätzte Komma
Wie hilfreich Kommas sind, erfährt, wer sich durch englische Texte müht. So beispielsweise Jonathan Franzens Freedom, das ich derzeit im Original lese, weil die SZ vor der schlechten Übersetzung warnte. Ellenlange Sätze mit mehreren Relativkonstruktionen und Nebensätzen – ohne ein Komma. Aber eines vor fast jedem and, das kein Mensch braucht. Allerdings beschleicht mich das Gefühl, ich könnte eine Ausgabe aus der Marge erwischt haben, die aus Versehen unkorrigiert in Druck und Handel ging, wie gleichfalls durch die Presse ging. Vielleicht sind die fehlenden Kommas ja auch diesem Umstand geschuldet. Wie auch immer – ich habe Kommas immer in großen Mengen vorrätig und gebe sie gratis ab. Als Kundenservice.

25.10.10 Allerdings
Schade – niemand wollte den Mantafahrerwitz vom letzten Mal hören. Dann eben nicht. Vielleicht war er ja auch gar nicht so gut. Allerdings! Und da wären wir bei einem anderen interessanten Fall: Das Wörtchen allerdings hat zwei ziemlich entgegengesetzte Bedeutungen. Zum einen wirkt es einschränkend, relativierend im Sinne von andrerseits, und man muss aber auch bedenken, dass… Andrerseits wird es aber auch bekräftigend eingesetzt, mit dickem Ausrufezeichen und bestimmtem Tonfall: Allerdings! Das kann man wohl sagen! Absolut, ohne Einschränkung – also ohne ein weiches allerdings

17.09.10 Weitgehend chaotisch
Es ist zum Ameisenmelken: weitgehend, weiter gehend – oder weitergehend? Das ist weitestgehend unübersichtlich. Entsprechend verhält es sich mit tiefgehend und -reichend. Das Problem liegt zunächst darin, dass Dudens sich für weitgehend, aber tief gehend entschieden haben. Erklären soll das, wer will. Für die gesteigerten Formen weitergehend oder tiefer gehend, respektive reichend gibt es keine Vorschläge – ich würde sie analog behandeln. Der DUDEN bietet da nur tieferlegen an, aber das macht ja heute auch kaum noch einer, man muss es also auch nicht mehr schreiben – wobei mir ein ganz reizender Manta-Witz einfällt …
Viel einfacher ist es übrigens mit nahe und näher treten, liegen, stehen etc.: Getrennt, wenn’s räumlich, zusammen, wenn's im übertragenen Sinn gemeint ist.

05.08.10 Teller leer, Bauch voll
Nicht alles hat seine Logik im DUDEN, das hatten wir bereits festgestellt. Das ist einerseits bedauerlich, andererseits gibt es uns Lektoren immer wieder Argumentationsspielraum und wir werden nicht überflüssig. Manchmal wird der Unsinn aber auch augenfällig, wenn die Ungereimtheiten direkt beieinanderstehen: Hätte die DUDEN-Redaktion einmal gemeinsam zu Tisch gesessen, hätten alle brav den Teller leer gegessen und sich bei der Gelegenheit den Bauch vollgeschlagen – dann hätten sie sich vielleicht auch für leeressen neben vollschlagen entschieden. Aber leer essen und vollschlagen? Irgendwer hat da nicht richtig aufgegessen.

04.07.10 Noch nicht der Untergang des Abendlandes ...
Aber doch ein gefundenes Fressen für Bedenkenträger und Schwarzseher: Die Tochter einer Bekannten – Migrationshintergrund übrigens – schrieb letztens einen Aufsatz über Laura. Dritte Klasse, Deutsch. Darin ging es um Lauras Katze oder Lauras Tante oder ähnlich, ich habe es vergessen – es geht hier nur um den Genitiv, der dort vollkommen und bemerkenswert korrekt ohne Apostroph stand. Bis die Lehrerin den Rotstift zückte und zu Laura’s Katze, Tante oder weiß der Himmel was korrigierte und Lauras als Fehler markierte. Die Lehrerin. In der Grundschule. Das arme Kind. Ich hoffe, es trägt kein Trauma davon. Was haben wir nur falsch gemacht – in unserer Lehrerausbildung?

31.05.10 So wie wir und uns – vergangen
Manche Fehler tauchen häufiger auf als andere. Das macht sie zwar quasi zu alten Freunden; dumm nur, wenn man sie auch als Lektor übersieht. Deshalb an alle Kolleginnen und Kollegen (aber die wissen das natürlich selber): Vorsicht bei den Tippies, die Word nicht erkennt und unterkringelt, die aber aufgrund benachbarter Tasten sehr oft vorkommen; das sind insbesondere und/uns, die/dir und wie/wir. Gerne gehen auch Partizipien durchs Netz, die wegen gleicher Silben auch unfertig schon fertig wirken. In der Zeit, wo allenthalben Jahresberichte geschrieben und lektoriert werden, begegnet man wieder sehr häufig dem vergangen Jahr. Deshalb sehe ich mir jedes vergangenen genau an, ob es nicht nur ein vergangen ist. Der Kunde dankt's.

08.04.10 Lass den Apostroph …
… doch einfach weg. Dann lass ich ihn auch weg. Ja doch, der Imperativ kann oft auch ein e erhalten, wie auch die 1. Person Singular. Muss er aber nicht – die e-lose Variante ist inzwischen standardsprachlich akzeptiert: Ich sing, sing du auch. Der Apostroph wird also weiter zurückgedrängt – nicht nur machen sich Sprachhüter, Schriftgelehrte und Sickianer immer wieder über Emma’s Blumenladen, sonntag’s geöffnete Bistro’s und Lexika's lustig, jetzt wird auch noch der Apostroph im Imperativ geschleift. Aber was hilft’s (!): Sieht man das weggekürzte e in sing noch blass durchschimmern, so ist ein Imperativ mit Lautumwandlung wie in wirf oder gib eindeutig nicht aus wirfe oder gibe entstanden; also? Eben.

27.02.10 Am Anfang waren die Babys
Und die Ponys. Dann kamen die Partys hinzu, später die Storys – und jetzt haben wir jede Menge Communitys. Gemeinsam ist ihnen allen, dass es sich um Lehnwörter aus dem Englischen handelt. Und wer früher in der Schule aufgepasst hat, der schreibt gerne englisch korrekt im Plural Communities und Stories; selbst im Klappentext von Büchern seriöser, dem schriftlich Korrekten doch besonders verhafteten Verlage ist oft von Stories zu lesen. Parties und Babies dagegen sieht man selten, Ponies nie – das sieht dann doch zu falsch aus.
Ist es auch. Denn Lehnwörter (auch weniger gebräuchliche als Pony) erhalten einen deutschen Plural. Aus dem gleichen Grund ist übrigens neben Pizzen auch Pizzas ok, dito Kommas neben Kommata und Lexikons neben Lexika – aber keine Lexikas!!

04.01.10 Tautologien – die IV.
Mal wieder etwas aus meiner Lieblingskiste, den Tautologien. Herr Schuster hat mich letztlich auf das Fußpedal aufmerksam gemacht – sehr schön: Pedal heißt so viel wie Fußschalter, beim Fußpedal hätten wir dann also den Fußfußschalter identifiziert. Hübsch auch die Langlaufloipe, also die Langlauflanglaufspur. Viel alltäglicher aber steht auf unserem Frühstückstisch häufig die Nussnugatcreme: Nugat heißt Nusscreme – in unserem Fall hätten wir dann also ein Glas voller Nussnusscremecreme.
Man kann’s auch übertreiben – mit der Doppeltbenennung wie auch mit der sprachlichen Pingeligkeit …

Kurz notiert

Zum Mitnehmen

Manche meiner Kunden setzen zu viele Kommas – oder auch Kommata, das ist beides o.k. Daher habe ich immer welche übrig und gebe sie gerne kostenlos ab. Das ist eine Win-win-Situation für uns alle (übrigens nicht Win-Win-...).

Zum Vergleichen

Was kostet eigentlich ein Lektorat? Schwer zu sagen – die Forderungen variieren sehr stark. Meine Preise liegen aber eher im unteren mittleren Bereich des seriösen Spektrums. Und bedenken Sie: Bei den Kosten für eine hochwertige Publikation ist das Lektorat keine große Summe.

Zur Sicherheit

Wenn Sie unsicher sind, helfe ich gerne weiter. Nicht bei der Frage nach Tee oder Kaffee, aber z. B. bei der nach Dativ oder Genitiv. Kontaktieren Sie mich – ich kläre das und schicke Ihnen bei Bedarf eine kurze Expertise. Für meine Kunden gehört das zum Service.

Zum Lachen

Fehler als Lacher – mein Favorit ist hier immer noch (obwohl im Grunde eher zum Weinen): Ein Kundenmagazin, das die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie thematisiert, darin der Satz: „Der kleine Kevin wird jeden Morgen von 8 bis 12 Uhr bereut …“ Das arme Kind!

Zum Feiern

Vermutlich werden in diesem Jahr besonders viele Besucher nach Faid strömen: Die einen, weil sie sich wie jedes Jahr auf die Kirmes freuen,

Kimres.

... die anderen, weil sie gespannt sind auf etwas völlig Neues, noch nie Dagewesenes. Allen sei ein schönes Fest gegönnt - und hoffentlich war das Banner nicht zu teuer.

Zum Schluss

Habe ich Sie neugierig gemacht? Probieren Sie es aus. Ihr nächster Flyer, die neue Ausgabe Ihres Newsletters – was auch immer. Lassen Sie mich einen Blick drauf werfen.