+49 228 85030213

Zeilen zur Krise XXXIV: Das kleine Schwarze

Die Atemschutzmasken, die sich jetzt in allen Schaufenstern stapeln – man hat sich an den Anblick gewöhnt, obwohl sie viele Menschen immer noch mit diesem Ausdruck tragen, als hätten sie eben erst eine seltene Immunerkrankung überstanden und trauten sich nun erstmals vorsichtig wieder ins öffentliche Leben, das ja irgendwie weitergehen muss.

Gerne wird Modell Laschet getragen, und man atmet ja tatsächlich viel besser, wenn der Zinken draußen hängt. Ausschließlich am Kinn getragen wird Variante Bartbinde. Das hält zwar keine Viren ab, weder ein- noch auswärts, schützt aber den gepflegten Bart davor, in nächtlich unruhigen Schlafphasen an Fasson zu verlieren, ein nicht zu unterschätzender Vorteil der Maske, gerade jetzt, wo auch der Barbier nicht mehr dienstbar ist. Ganz lässig lässt man die Maske seitlich am Ohr baumeln – so wie man einen Motorradhelm am coolsten am Ellbogen trägt.

Wer das leidige Stück Stoff aber wirklich tragen kann – abgesehen von den Vietnamesinnen, zu deren Alltagsausstattung das Ding auch vor Corona schon gehörte –, bei wem es zur schmucken Profi-Montur zu gehören scheint, nur ein paar Jahrzehnte in Vergessenheit geraten, das ist ein bestimmter Schlag Männer über 50. Man kennt sie als Plattenladen-Inhaber, Lehrer für Gesellschaftskunde, Betreiber einer Fahrradwerkstatt oder Fußballkneipe: lange, graue Haare statt Hipster-Glatze, der Bart so lang, dass eine Nudel ein paar Tage unbemerkt bleiben kann, das Bäuchlein unkaschiert unter Jeansjacke und St.-Pauli-Shirt. Und das schwarze Tuch so vom Kinn bis über die Nase gezogen, dass es an die frühen 80er-Jahre erinnert, Hofgarten Bonn, Friedensdemo, Brockdorf, Mutlangen und Hausbesetzerpartys, Berlin am 1. Mai. Auch mein Buchhändler hätte nicht gedacht, dass er das kleine Schwarze noch einmal tragen würde. Aber immerhin hatte er es noch und trägt es jetzt mit Fassung. Und etwas Stolz.

„Was ist das, Hausbesetzer?“, fragt mich das Murmeltier.
„Das sind Leute, die sich ungefragt in anderer Leute Wohnungen einnisten“, antworte ich.
„Aahhh“, sagt das Murmeltier und zieht sein schwarzes Halstuch wieder bis kurz unter die Augen. „Ich wusste nicht, dass es ein Wort dafür gibt.“

Zeilen zur Krise XXXV: Körperkontakt

Kurz notiert

Zum Mitnehmen

Manche meiner Kunden setzen zu viele Kommas – oder auch Kommata, das ist beides o.k. Daher habe ich immer welche übrig und gebe sie gerne kostenlos ab. Das ist eine Win-win-Situation für uns alle (übrigens nicht Win-Win-...).

Zum Vergleichen

Was kostet eigentlich ein Lektorat? Schwer zu sagen – die Forderungen variieren sehr stark. Meine Preise liegen aber eher im unteren mittleren Bereich des seriösen Spektrums. Und bedenken Sie: Bei den Kosten für eine hochwertige Publikation ist das Lektorat keine große Summe.

Zur Sicherheit

Wenn Sie unsicher sind, helfe ich gerne weiter. Nicht bei der Frage nach Tee oder Kaffee, aber z. B. bei der nach Dativ oder Genitiv. Kontaktieren Sie mich – ich kläre das und schicke Ihnen bei Bedarf eine kurze Expertise. Für meine Kunden gehört das zum Service.

Zum Lachen

Fehler als Lacher – mein Favorit ist hier immer noch (obwohl im Grunde eher zum Weinen): Ein Kundenmagazin, das die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie thematisiert, darin der Satz: „Der kleine Kevin wird jeden Morgen von 8 bis 12 Uhr bereut …“ Das arme Kind!
Auch sehr schön: der Nähstoff.
Und natürlich aus jüngerer Zeit: der Strandpunkt – ach, da möchte man doch grad die Strandtasche packen und Richtung Meer flipfloppen.

Zum Feiern

Vermutlich werden in diesem Jahr besonders viele Besucher nach Faid strömen: Die einen, weil sie sich wie jedes Jahr auf die Kirmes freuen,

Kimres.

... die anderen, weil sie gespannt sind auf etwas völlig Neues, noch nie Dagewesenes. Allen sei ein schönes Fest gegönnt – und hoffentlich war das Banner nicht zu teuer.

Zum Schluss

Habe ich Sie neugierig gemacht? Probieren Sie es aus. Ihr nächster Flyer, die neue Ausgabe Ihres Newsletters – was auch immer. Lassen Sie mich einen Blick drauf werfen.