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Zeilen zur Krise XLV: Haustierarrest

Ist das jetzt noch Krise? Ist das nun Gelassenheit oder Nachlässigkeit? Klingt fast gleich, ist es aber nicht. Die Regaleinräumer im Supermarkt, auch die Regaleinräumerinnen, tragen ihre Mund-Nase-Bedeckungen irgendwo, nur nicht über Mund und Nase, sodass ich mir fast blöd vorkomme mit meinem vorbildhaften Mundschutz und den beschlagenen Brillengläsern.

Immerhin habe ich mich inzwischen auch so locker gemacht, dass aus dem täglichen Abkochen meiner Maske ein wöchentliches Auslüften geworden ist. Juliane findet das nachlässig, ist aber selbst auch nicht so konsequent. An der Metzgertheke gehe ich jetzt, nach den Vorkommnissen in Gütersloh, mit doppeltem Abstand vorbei und steuere direkt auf das Tofuregal zu. Das Murmeltier winkt der Fleischereifachverkäuferin aus der Ferne einen Gruß zu, den sie hinter meinem Rücken freundlich lächelnd erwidert. Ich glaube fast, sie hat ihm wieder ein Scheibchen Wurst zugesteckt.
Vor der Tür ziehe ich mir dann mal wieder zusammen mit der Maske die Brille runter – sie landet hart auf dem Pflaster. Das ist insgesamt nicht erfreulich.
Ich glaube übrigens, dass wir längst in der Postkrisenphase sind. Vor der Post steht seit einiger Zeit auch immer so eine lange Schlange, wie sonst nur in der Adventszeit. Ich habe keine Erklärung dafür, außer dass es was mit der Postkrise zu tun haben muss.

Im Haus hat sich Nervosität breit gemacht. Das Murmeltier ist einsilbig und missmutig, es grüßt halbherzig und wird nachlässig in der Pflege seines Undercuts. Den hat es eine Zeit lang alle paar Tage mit meinem Nasenhaartrimmer nachrasiert, nachdem es sich offensichtlich ein wenig in die eigenen Segelohren verliebt hatte, jetzt aber lässt es den Pelz wieder unkontrolliert wachsen – ein Zeichen von Depression, das erkennt auch der Laie. Die Meldung neulich, dass sich zunehmend auch Haustiere infizieren, hat es sichtlich mitgenommen. Es schreit förmlich nach Liebe und Zuwendung. Ich würde dem ja auch nachgeben, bin durchaus bereit, die kleine, verzagte Nervensäge zu trösten, aber dann nuschelt es irgendwas von „hätte ich mir sparen können“ vor sich hin, und „hätte ich auch in Ischgl bleiben können“.
„WO kommst du her!?!?“, rufe ich entsetzt. „Hast du ISCHGL gesagt?“
„Quatsch. Ich habe nicht Ischgl gesagt. Das war Rheda Wiedenbrück, das klingt nur so ähnlich. Beruhigt?“
„Nicht so richtig.“

Dieser kleine Blog in Corona-Zeiten wird fortlaufend geschrieben.
Bei Interesse beginnen Sie Ihre Lektüre doch am besten beim 25. März.

Kurz notiert

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Manche meiner Kunden setzen zu viele Kommas – oder auch Kommata, das ist beides o.k. Daher habe ich immer welche übrig und gebe sie gerne kostenlos ab. Das ist eine Win-win-Situation für uns alle (übrigens nicht Win-Win-...).

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Was kostet eigentlich ein Lektorat? Schwer zu sagen – die Forderungen variieren sehr stark. Meine Preise liegen aber eher im unteren mittleren Bereich des seriösen Spektrums. Und bedenken Sie: Bei den Kosten für eine hochwertige Publikation ist das Lektorat keine große Summe.

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Wenn Sie unsicher sind, helfe ich gerne weiter. Nicht bei der Frage nach Tee oder Kaffee, aber z. B. bei der nach Dativ oder Genitiv. Kontaktieren Sie mich – ich kläre das und schicke Ihnen bei Bedarf eine kurze Expertise. Für meine Kunden gehört das zum Service.

Zum Lachen

Fehler als Lacher – mein Favorit ist hier immer noch (obwohl im Grunde eher zum Weinen): Ein Kundenmagazin, das die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie thematisiert, darin der Satz: „Der kleine Kevin wird jeden Morgen von 8 bis 12 Uhr bereut …“ Das arme Kind!
Auch sehr schön: der Nähstoff.
Und natürlich aus jüngerer Zeit: der Strandpunkt – ach, da möchte man doch grad die Strandtasche packen und Richtung Meer flipfloppen.

Zum Feiern

Vermutlich werden in diesem Jahr besonders viele Besucher nach Faid strömen: Die einen, weil sie sich wie jedes Jahr auf die Kirmes freuen,

Kimres.

... die anderen, weil sie gespannt sind auf etwas völlig Neues, noch nie Dagewesenes. Allen sei ein schönes Fest gegönnt – und hoffentlich war das Banner nicht zu teuer.

Zum Schluss

Habe ich Sie neugierig gemacht? Probieren Sie es aus. Ihr nächster Flyer, die neue Ausgabe Ihres Newsletters – was auch immer. Lassen Sie mich einen Blick drauf werfen.