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Zeilen zur Krise LI: Indoor Soccer

Um Energie zu sparen, schließe ich winters normalerweise nach Dunkelwerden die Rollläden, zumal die Fenster im Hause nicht übertrieben dicht sind. In diesen Zeiten aber, so habe ich festgestellt, wenn die Straßen leergefegt sind und die Leute sich in ihren vier Wänden einrichten, ist es doch ganz schön, ein wenig in erleuchtete Fenster zu schauen, wenn schon alle Bühnenkunst gerade ausfallen muss.

Verstehen Sie mich nicht falsch – nicht stalken, nicht spannen hinter der Gardine, aber ein bisschen näher zusammenrücken. Und dann lasse auch ich die Läden offen (wo doch die Geschäfte geschlossen sind – kleines Wortspiel, Sie entschuldigen) und gewähre den Nachbarn familiär Einblick, wenn ich den Tisch decke, mich ins Sofa fläze, durchs Fernsehprogramm zappe oder das Murmeltier kraule, das immer wieder mal für ein halbes Stündchen aus seinem Winterschlaf gekrochen kommt. Juliane findet, ich sollte mich dann wenigstens ordentlich hinsetzen und etwas weniger fläzen, aber ich fläze nun mal gerne ausgiebig, schon weil ich das Wort so fantastisch finde – fläzen! Ich fläze, du fläzt, er, sie, es fläzt. Und die Nachbarn hängen dann auch alle ziemlich hingefläzt in ihren Sofas. Wenn Sie Deutsch als Fremdsprache unterrichten, können Sie mit dem Wort Ihre Schüler ärgern. Und wenn sie an der Aussprache scheitern, können Sie gemein fragen: Warum seufzt ihr?

Manchmal schaue ich dann auch beim Nachbarn fern. Der wohnt zwar auf der anderen Straßenseite, sein Gerät ist aber so exorbitant groß, dass ich von meinem Fenster aus sogar die Untertitel zu seinen amerikanischen Serien lesen kann, die er vorzugsweise im Original schaut. Dann sehe ich aber, wie die Nachbarn von oben drüber mit der ganzen Familie am Fenster stehen und ziemlich ungeniert zu mir rüber schauen, ja geradezu starren, offensichtlich ziemlich erheitert, Daumen drücken, und dann jubeln sie sogar.
Irritiert schaue ich mich um, was denn so lustig ist an dem Ausblick, den ich ihnen biete. Da sehe und höre ich auch schon einen Tennisball hart geschossen in meine Glasvitrine scheppern: Das Murmeltier stellt das Elfmeterschießen von Holstein Kiel gegen den FC Bayern München nach, DFB-Pokal, 2. Runde, und nimmt eben neu Anlauf.
„Hör sofort auf mit dem Mist!“, will ich eben entsetzt ausrufen. „Bist du verrückt?!“
Stattdessen balle ich die Faust zu einer Gewinnergeste und sage: „Tor!“

Dieser kleine Blog in Corona-Zeiten wird fortlaufend geschrieben.
Bei Interesse beginnen Sie Ihre Lektüre doch am besten beim 25. März 2020.

Kurz notiert

Zum Mitnehmen

Manche meiner Kunden setzen zu viele Kommas – oder auch Kommata, das ist beides o.k. Daher habe ich immer welche übrig und gebe sie gerne kostenlos ab. Das ist eine Win-win-Situation für uns alle (übrigens nicht Win-Win-...).

Zum Vergleichen

Was kostet eigentlich ein Lektorat? Schwer zu sagen – die Forderungen variieren sehr stark. Meine Preise liegen aber eher im unteren mittleren Bereich des seriösen Spektrums. Und bedenken Sie: Bei den Kosten für eine hochwertige Publikation ist das Lektorat keine große Summe.

Zur Sicherheit

Wenn Sie unsicher sind, helfe ich gerne weiter. Nicht bei der Frage nach Tee oder Kaffee, aber z. B. bei der nach Dativ oder Genitiv. Kontaktieren Sie mich – ich kläre das und schicke Ihnen bei Bedarf eine kurze Expertise. Für meine Kunden gehört das zum Service.

Zum Lachen

Fehler als Lacher – mein Favorit ist hier immer noch (obwohl im Grunde eher zum Weinen): Ein Kundenmagazin, das die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie thematisiert, darin der Satz: „Der kleine Kevin wird jeden Morgen von 8 bis 12 Uhr bereut …“ Das arme Kind!
Auch sehr schön: der Nähstoff.
Und natürlich aus jüngerer Zeit: der Strandpunkt – ach, da möchte man doch grad die Strandtasche packen und Richtung Meer flipfloppen.

Zum Feiern

Vermutlich werden in diesem Jahr besonders viele Besucher nach Faid strömen: Die einen, weil sie sich wie jedes Jahr auf die Kirmes freuen,

Kimres.

... die anderen, weil sie gespannt sind auf etwas völlig Neues, noch nie Dagewesenes. Allen sei ein schönes Fest gegönnt – und hoffentlich war das Banner nicht zu teuer.

Zum Schluss

Habe ich Sie neugierig gemacht? Probieren Sie es aus. Ihr nächster Flyer, die neue Ausgabe Ihres Newsletters – was auch immer. Lassen Sie mich einen Blick drauf werfen.